
Bienenkönigin umgeben von Arbeiterbienen. Mit KI generiert. Lizenz: gemeinfrei.
Das Einweiseln einer neuen Regentin ist der chirurgische Eingriff am offenen Herzen eines Bienenvolkes. Ob wertvolle Zuchtkönigin oder vitale Nachzucht – der Erfolg hängt nicht vom Glück ab, sondern von der strikten Einhaltung biologischer Gesetze. Erfahren Sie in diesem Guide, wie Sie durch das richtige Einweiseln die Weichen für ein Rekordjahr stellen und welche der 15 Methoden für Ihre Situation die beste ist.
Wie gelingt das Einweiseln am sichersten? Die kurze Antwort lautet: Durch die Kombination aus absoluter Weisellosigkeit, einem hohen Anteil an jungen Pflegebienen und einer Phase konsequenter Wabenruhe. Nur wenn das pheromonelle Profil der neuen Königin den Stockgeruch ohne Aggression durchdringt, wird sie dauerhaft akzeptiert.
In diesem Artikel
Warum das Einweiseln über die Zukunft Ihres Standorts entscheidet
Ein Bienenvolk ohne leistungsfähige Königin ist dem Untergang geweiht. Doch der Austausch einer Altkönigin gegen eine neue Spitzen-Genetik ist für die Bienen zunächst ein traumatisches Ereignis. Das gesamte soziale Gefüge der Kolonie wird durch Pheromone, insbesondere das Queen Mandibular Pheromone (QMP), gesteuert. Wenn Sie eine Königin einweiseln, bringen Sie ein fremdes Wesen in einen hochsensiblen Organismus ein.
Die Bienen identifizieren Eindringlinge über olfaktorische Diskrepanzen. Weicht der Geruch der Neuen zu stark vom gewohnten Standard ab, wird sie als Bedrohung wahrgenommen. Die Folge ist das gefürchtete „Einknäueln“, bei dem die Arbeiterinnen die Königin so lange umdrücken, bis sie erstickt oder an Stress stirbt.
Die 4 goldenen Regeln für ein erfolgreiches Einweiseln
Bevor Sie sich für eine Methode entscheiden, müssen vier biologische Grundvoraussetzungen erfüllt sein. Ohne diese Basis sinkt die Erfolgsquote beim Einweiseln drastisch.
1. Der Status der absoluten Weisellosigkeit
Ein Volk akzeptiert nur dann eine neue Herrscherin, wenn es seine Hoffnungslosigkeit erkannt hat. Das bedeutet:
- Keine alte Königin (auch keine leistungsschwache).
- Keine unbegattete Jungkönigin (die oft übersehen wird).
- Keine Afterweisel (Eier legende Arbeiterinnen).
- Keine Nachschaffungszellen.
Profi-Tipp: Führen Sie immer eine Weiselprobe durch. Geben Sie eine Wabe mit jüngster, offener Brut in das Volk. Wenn die Bienen nach 24 bis 48 Stunden keine Weiselzellen anblasen, ist bereits eine Königin vorhanden – das Einweiseln einer neuen Weisel wäre hier zwecklos und tödlich für die Zuchtkönigin.
2. Die Macht der Jungbienen

Aggression im Bienenstock ist eine Frage des Alters. Alte Flugbienen sind die Wächterinnen; sie sind misstrauisch und wehrhaft. Junge Ammenbienen hingegen besitzen einen natürlichen Pflegetrieb und adoptieren eine neue Königin fast immer bereitwillig. Wenn Sie einweiseln, sorgen Sie dafür, dass der Anteil an Jungbienen hoch ist – etwa durch das Erstellen eines Ablegers oder eines Kunstschwarms.
3. Kontinuierlicher Futterstrom

Hunger macht aggressiv. Eine gute Trachtlage oder eine dünne Fütterung mit Zuckerwasser (Verhältnis 1:1) wirkt wie ein Friedensstifter. Der stetige Futteraustausch (Trophallaxis) sorgt dafür, dass sich das neue Pheromon schneller im Volk verteilt. Beim Einweiseln in trachtlosen Zeiten ist eine unterstützende Fütterung daher Pflicht.
4. Die heilige Wabenruhe
Der häufigste Fehler passiert nach dem eigentlichen Akt. Nach dem Einweiseln muss das Volk für mindestens 7 bis 10 Tage absolut ungestört bleiben. Jeder Eingriff, jedes Klopfen am Kasten erzeugt Stress. Die Bienen reagieren darauf oft mit einem Reflexangriff auf die Königin, die sie eigentlich gerade erst akzeptiert hatten.
Die 15 Methoden zum Einweiseln im kritischen Vergleich
Die folgende Übersicht vergleicht die gängigsten und speziellsten Methoden der Imkerpraxis. Die Erfolgsquoten beziehen sich auf eine korrekte Durchführung unter normalen Bedingungen im Sommer.

Klassischer Zusetzkäfig

Auf dem Bild siehst du den klassischen Zusetzkäfig. Er verfügt über einen Gitterbereich für die Königin (rechts) und eine Futterkammer (links). Die Stockbienen fressen den festen Futterteig (Puderzucker-Honig-Teig) von außen durch einen schmalen Gang weg. Dieser Prozess dauert meist 24 bis 48 Stunden – genau die Zeit, die die Königin benötigt, um den Stockgeruch anzunehmen und für die Bienen unattraktiv für Angriffe zu werden.
Die Begleitbienen-Kontroverse: Mit oder ohne?
Wenn Sie eine Zuchtkönigin per Post erhalten, befinden sich Begleitbienen im Käfig. Hier scheiden sich die Geister. Die aktuelle Lehrmeinung empfiehlt jedoch: Entfernen Sie die Begleitbienen vor dem Einweiseln!
Fremde Begleitbienen werden vom aufnehmenden Volk als Feinde betrachtet. Es entstehen Kämpfe am Käfiggitter, die eine aggressive Stimmung erzeugen. Eine einsame Königin hingegen wird sofort angebettelt und gefüttert. Führen Sie das Entfernen der Begleitbienen in einem geschlossenen Raum an einem hellen Fenster durch. Sollte die Königin auffliegen, landet sie am Fenster und kann vorsichtig wieder eingefangen werden.
Saisonalität: Wann ist der beste Zeitpunkt zum Einweiseln?
Die Biologie des Bienenvolkes ändert sich über das Jahr, und damit auch die Bereitschaft zum Einweiseln.
- Frühjahr (März/April): Sehr gute Akzeptanz. Die Völker sind im Aufbau und jede Königin ist willkommen.
- Hochsommer (Juli/August): Schwierigste Phase. Die Völker sind stark, wehrhaft und oft tritt eine Trachtlücke ein. Hier ist Vorsicht vor Räuberei geboten!
- Spätsommer (September): Hervorragend. Die Drohnen werden vertrieben, das Volk weiß, dass es keine eigene Königin mehr ziehen kann. Die Annahmequoten sind beim Einweiseln in dieser Zeit exzellent.

Synergie-Effekt: Königinnenwechsel und Varroa-Bekämpfung
Totalen Brutentnahme (TBE)
Ein moderner Ansatz ist das Einweiseln im Rahmen einer Totalen Brutentnahme (TBE) im Juli. Indem Sie das Volk brutfrei machen, können Sie die Varroa-Milbe mit Oxalsäure hocheffizient bekämpfen. Da das Volk ohne Brut keine Möglichkeit zur Nachschaffung hat, ist die Akzeptanz der neuen Königin nahezu garantiert. Sie schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Ein gesundes, milbenfreies Volk und eine junge, leistungsstarke Regentin für den Winter.
Teilen und Behandeln (TUB)
Wer nach der letzten Honigernte im Juli oder August seine Völker effektiv schützen, gleichzeitig das Wabenwerk erneuern und ohne Verluste durch den Winter bringen möchte, findet in der Methode Teilen und Behandeln die perfekte Lösung. Dieses biotechnische Verfahren nutzt die natürliche Biologie der Honigbiene, um eine künstliche Brutfreiheit zu erzeugen. Dadurch erzielen organische Säuren einen maximalen Wirkungsgrad, ganz ohne chemische Rückstände im Honig. Dabei kann im Flugling erfolgreich eine Jungkönigin eingeweiselt werden.
Die Zusetz-Methoden im Detail
1. Der Standard-Zusetzkäfig (z.B. Nicot oder Iles-Käfig)
Diese Methode ist der absolute Klassiker in der Imkerei. Sie basiert darauf, dass die Bienen die Königin erst riechen und füttern können, bevor sie physischen Kontakt haben.
- Praxis-Ablauf: Du machst das Volk weisellos und wartest mindestens 2 Stunden, bis sich die Nachricht im Stock verbreitet hat. Vor dem Zusetzen brichst du alle vorhandenen Nachschaffungszellen. Die neue Königin wird mit einigen Begleitbienen in den Käfig gesperrt. Der Auslass wird mit festem Futterteig (z. B. Apifonda) verschlossen. Der Käfig wird mitten in das Brutnest zwischen zwei Waben gehängt (am besten mit den Gitternetzseiten zu den Gassen). Die Bienen fressen den Teig über 24 bis 48 Stunden von außen weg und befreien die Königin selbstständig.
- Worauf zu achten ist: Bei sehr wehrhaften Völkern oder alten, grantigen Flugbienen kann es passieren, dass sie die Königin direkt nach dem Freifressen einkäulen (abstechen). Daher nach dem Zusetzen mindestens 5 bis 7 Tage absolute Ruhe am Stand!
2. Das Aufsteckgitter auf auslaufender Brut
Für mich eine der sichersten Methoden überhaupt, besonders wenn es sich um eine extrem wertvolle, teure Zuchtkönigin handelt.
- Praxis-Ablauf: Du suchst eine Wabe aus einem gesunden Volk, auf der gerade die Jungbienen aus den Zellen schlüpfen (auslaufende Brut). Wichtig: Alle alten Ansitzbienen werden komplett und gründlich abgefegt. Jetzt setzt du die neue Königin (ohne Begleitbienen) auf diesen Bruttrakt und drückst das quadratische Aufsteckgitter (aus Metall oder Kunststoff) tief in die Wabe, sodass sie isoliert ist. Die frisch schlüpfenden Bienen haben noch keinen Stockgeruch und keinen Stechtrieb. Sie pflegen und füttern die Königin sofort. Die Königin beginnt in den leeren Zellen direkt wieder zu stiften. Nach ca. 3–4 Tagen hat sie ein kleines „eigenes Volk“ um sich und wird vom Restvolk problemlos akzeptiert, wenn du das Gitter entfernst.
- Worauf zu achten ist: Das Gitter muss absolut dicht mit dem Wachs abschließen. Gibt es eine Lücke, dringen Altbienen ein und töten die Königin.
3. Der Kunstschwarm
Diese Methode nutzt den biologischen Notzustand der Bienen aus. Ein Schwarm im weisellosen Zustand ist extrem kooperativ und schweißt sich neu zusammen.
- Praxis-Ablauf: Du fegst ca. 1,5 kg Bienen aus den Honig- oder Bruträumen verschiedener Völker in eine Schwarmkiste (vorher durch ein Absperrgitter laufen lassen, um Drohnen und alte Königinnen auszusortieren). Die neue Königin wird in einem Zusetzkäfig, dessen Auslass fest verschlossen ist (keine Teigfreigabe!), mitten in die Bienentraube gehängt. Nun wandert die Kiste für 2 bis 3 Tage in die Kellerhaft (kühl und absolut dunkel). Die Bienen müssen kräftig mit Flüssigfutter oder Futterteig versorgt werden. Nach der Kellerhaft haben sich die Bienen auf die Königin sozialisiert. Am Abend des 3. Tages schlägst du den Schwarm in eine neue Beute auf Mittelwände ein und öffnest den Käfig zur Futterteigfreigabe.
- Worauf zu achten ist: Hoher Arbeitsaufwand und ein komplett neuer Wabenbau sind nötig. Perfekt zur Sanierung von Krankheiten oder zur Völkervermehrung.
4. Die Ableger-Methode
Nutzt den Vorteil, dass Jungbienen extrem tolerant gegenüber neuen Regenten sind.
- Praxis-Ablauf: Du erstellst einen klassischen Ableger aus 2–3 Brutwaben (vorwiegend verdeckelte Brut), einer Futterwabe und reichlich abgeschüttelten Jungbienen. Diesen Ableger stellst du entweder an einen anderen Standplatz (außerhalb des Flugradius) oder du wartest am alten Standplatz 1–2 Tage, bis alle alten Flugbienen in ihr Ursprungsvolk zurückgekehrt sind. Im Ableger verbleiben fast nur noch junge, sanftmütige Bienen. Nun setzt du die neue Königin im Standardkäfig mit Futterteigverschluss zu. Da der Aggressionspegel im Ableger minimal ist, liegt die Annahmequote extrem hoch.
- Worauf zu achten ist: Löst das Problem eines weisellosen Wirtschaftsfolkes nicht direkt, sondern dient eher der sicheren „Zwischenlagerung“ und dem Aufbau eines neuen Volkes.
5. Die Zeitungsmethode (Vereinigung)
Der sanfte Weg über die Geruchsangleichung, ideal im Spätsommer oder Herbst.
- Praxis-Ablauf: Du hast ein weiselloses Wirtschaftsvolk und einen kleinen, weiselrichtigen Ableger mit der neuen Königin. Du entfernst den Deckel des weisellosen Volkes und legst ein oder zwei Lagen normales Zeitungspapier flach auf die oberen Rähmchen. Das Papier stichst du mit einer Stockmeißelspitze oder einer Nadel ein paar Mal leicht an (winzige Löcher). Darauf setzt du direkt die Zarge mit dem Ableger. Die Bienen beider Einheiten beginnen nun, das Papier von beiden Seiten zu zernagen. Durch die kleine Barriere vermischen sich die Stockgerüche über Stunden hinweg ganz langsam. Wenn das Papier durchgenagt ist, fusionieren die Völker völlig friedlich.
- Worauf zu achten ist: Funktioniert nur, wenn das untere Volk wirklich absolut weisellos ist und keine verdeckten Nachschaffungszellen mehr besitzt.
6. Die Nassauer Zusetzbox
Eine Weiterentwicklung des Zusetzkäfigs mit dem Fokus auf maximalen Pheromonaustausch.
- Praxis-Ablauf: Die Nassauer Box ist eine flache Holz- oder Kunststoffkiste, die an der Unterseite komplett mit einem feinmaschigen Drahtgitter versehen ist. Die neue Königin wird hineingesetzt. Die Box wird flach direkt auf die Rähmchengassen über das Brutnest gelegt. Durch die enorm große Gitterfläche können Hunderte von Bienen gleichzeitig physischen Kontakt (Fühlerkontakt) zur Königin aufnehmen und ihr Pheromon im gesamten Stock verteilen. Nach 2–3 Tagen wird der integrierte Futterteigkanal freigegeben, und die Bienen fressen sie frei.
- Worauf zu achten ist: Du brauchst ausreichend Platz unter dem Innendeckel (z. B. durch einen Leerrahmen oder eine Futterzarge), da die Box etwas aufträgt.
7. Flugling / Brutling (Volksteilung)
Eine klassische Methode der Schwarmlenkung und Völkervermehrung, die gleichzeitig das Einweiseln erleichtert.
- Praxis-Ablauf: Du teilst ein Volk auf. Die Beute mit den offenen Brutwaben und der alten Königin (oder eben weisellos, falls getauscht wird) bleibt am alten Platz stehen. Das ist der Flugling. Alle flugfähigen Bienen kehren dorthin zurück. Die Zarge mit den verdeckelten Brutwaben und den aufpassenden Jungbienen stellst du an einen neuen Platz auf dem Stand – das ist der Brutling. Da im Brutling nach wenigen Stunden alle Flugbienen abgeflogen sind, herrscht dort keine Aggression. Jetzt kannst du die neue Königin im Käfig zusetzen. Sie wird von den Jungbienen begeistert aufgenommen.
- Worauf zu achten ist: Logistischer Aufwand am Stand. Das Ursprungsvolk verliert massiv an Flugleistung, was den Honigertrag im aktuellen Trachtabschnitt schmälern kann.
8. Das direkte Einlaufen lassen
Die riskanteste Methode, die man eigentlich nur unter ganz spezifischen Bedingungen anwendet.
- Praxis-Ablauf: Das Zielvolk muss in absoluter Aufbruchsstimmung (Massen- oder Spättracht) und seit kurzem weisellos sein. Die zuzusetzende Königin darf auf keinen Fall begattet sein und muss jünger als 2 Stunden sein (frisch geschlüpft). In diesem Alter besitzt die Königin noch keinen ausgeprägten Eigengeruch, sondern den sogenannten „neutralen Schlupfduft“. Du setzt die junge Königin einfach oben auf die Rähmchen oder lässt sie direkt ins Flugloch laufen. Die Bienen ignorieren sie oft anfangs oder putzen sie direkt, da sie sie nicht als fremde Regentin wahrnehmen.
- Worauf zu achten ist: Extrem hohe Ausfallrate (50-60 %). Läuft die Königin panisch oder hektisch, löst das sofort den Stechtrieb der Wächterbienen aus. Nur für experimentierfreudige Züchter zu empfehlen.
9. Die Honig-Methode
Eine alte Imkermethode, die auf Ablenkung und Putztrieb setzt.
- Praxis-Ablauf: Du nimmst die neue Königin und bestreichst sie vorsichtig, aber vollständig mit flüssigem Honig aus dem Volk, in das sie eingewiesen werden soll. Sie sollte quasi im Honig „schwimmen“. Dann lässt du sie vorsichtig zwischen die Rähmchen des weisellosen Volkes gleiten. Die Bienen stürzen sich sofort auf sie – allerdings nicht, um sie zu stechen, sondern um den kostbaren Honig abzulecken. Während dieses intensiven Putzvorgangs nimmt die Königin den Stockgeruch an und die Aggressivität der Bienen verfliegt.
- Worauf zu achten ist: Hohe Verletzungsgefahr! Bestreicht man die Königin zu dick oder erwischt die Stigmen (Atemlöcher), kann sie ersticken. Zudem besteht bei Trachtlosigkeit extreme Räubereigefahr durch den offenen Honigduft.
10. Die Wasser-Tauchmethode
Hierbei wird die Königin physisch und psychisch ausgebremst, um Abwehrreaktionen des Volkes zu verhindern.
- Praxis-Ablauf: Du nimmst die neue Königin und tauchst sie für wenige Sekunden komplett in ein Gefäß mit lauwarmem Wasser (oder besprühst sie tropfnass). Die Königin ist danach flugunfähig, stark abgekühlt und bewegt sich nur noch in Zeitlupe. Du setzt sie direkt in das weisellose Volk auf die Wabe. Da sie sich völlig ruhig und hilflos verhält, löst sie bei den Bienen keinen Flucht- oder Verteidigungsreflex aus. Die Arbeiterinnen beginnen sofort, sie trockenzuputzen.
- Worauf zu achten ist: Das ist massiver Stress für das Tier. Es besteht das Risiko von Erkältungen oder dauerhaften Schäden an den Eierstöcken durch den Kälteschock.
11. Die Mehl-Methode (oder Puderzucker-Methode)
Geruchsmaskierung durch mechanische Verschmutzung.
- Praxis-Ablauf: Du ziehst die Wabe des weisellosen Volkes, auf der die Königin laufen soll. Nun nimmst du feines Weizenmehl oder Puderzucker und bestäubst die ansitzenden Bienen sowie die neue Königin leicht (z. B. mit einem feinen Sieb). Alle Beteiligten sind weiß eingepudert. Der Stockgeruch ist komplett blockiert. Die Bienen sind stundenlang damit beschäftigt, sich selbst, ihre Zellen und die Königin vom Mehl/Zucker zu befreien. Ist der Putztrieb erst einmal aktiviert, verfliegt die Aggressivität.
- Worauf zu achten ist: Puderzucker ist wegen der Gefahr von Verklebungen dem Mehl vorzuziehen. Dennoch bedeutet das Schmutz im Volk und verklebte Wabenstrukturen. Die Erfolgsquote ist eher mäßig.
12. Die Aromatisierung (Duftstoff-Methode)
Die sensorische Keule zur Gleichschaltung des Stockgeruchs.
- Praxis-Ablauf: Du nutzt stark riechende Substanzen wie Nelkenöl, Kampfer, Anisöl oder spezielle Imker-Deos. Ein paar Tropfen davon werden auf ein Tuch oder direkt in die Gassen des weisellosen Volkes gegeben. Die neue Königin wird ebenfalls minimal mit dem Duftstoff parfümiert (oder ihr Käfig). Innerhalb von Minuten riecht die gesamte Beute intensiv nach dem Wirkstoff. Der spezifische Pheromongeruch des Volkes und der Königin wird komplett übertönt. Die Bienen erkennen die Königin in diesem Chaos nicht als „fremd“.
- Worauf zu achten ist: Ätherische Öle können sich im Wachs und im Honig einlagern (Rückstandsgefahr!). Zudem kann der extreme Fremdgeruch Räuberbienen von außerhalb anlocken.
13. Die Begattungskästchen-Methode (z.B. Mini-Plus)
Die absolute Profiliga, wenn es um wertvolle Wirtschaftsköniginnen geht.
- Praxis-Ablauf: Du kaufst keine „nackte“ Königin im Käfig, sondern lässt sie zuerst in einem Mini-Plus, Kieler oder Kirchhainer Begattungskästchen einlogieren. Dort geht sie in Eilage und baut ein harmonisches Minivolk auf. Wenn das Großvolk weisellos gemacht wurde, nimmst du das gesamte Begattungskästchen, siebst die Bienen ab oder vereinigst das Minivolk direkt über Zeitungspapier mit dem Großvolk. Da die Königin voll in der Eilage ist (hormonell voll ausgereift), strömt sie enorme Mengen an Königinnensubstanz (9-ODA) aus. Solche „legereifen“ Königinnen werden von Völkern fast nie abgewiesen.
- Worauf zu achten ist: Hoher Materialaufwand, da man Begattungskästchen vorhalten und pflegen muss. Zeitintensiv, aber extrem sicher.
14. Der Fegeschwarm (Sanierungsmethode)
Die Radikalkur, meist angewendet bei drohnenbrütigen Völkern (Afterweiseln).
- Praxis-Ablauf: Wenn ein Volk schon länger weisellos ist und Arbeiterinnen Eier legen (Afterweiseln), nehmen sie keine normale Königin im Käfig mehr an. Du schnappst dir die gesamte Beute, trägst sie ca. 10 bis 20 Meter vom alten Standplatz weg und fegst alle Bienen komplett ins Gras oder auf ein großes Tuch. Die leere Beute stellst du mit frischen Waben/Mittelwänden wieder an den alten Platz zurück. Die flugfähigen, gesunden Arbeiterinnen fliegen zum alten Standort zurück. Die Afterweiseln sind durch die Eierproduktion schwerfällig, können meist nicht fliegen und bleiben im Gras zurück. Am alten Standplatz läuft die neue Königin in einem Zusetzkäfig (mit Teigfreigabe) mit den rückkehrenden, völlig desorientierten Bienen ein. Diese sind froh, wieder eine Ordnung zu haben, und nehmen sie gut an.
- Worauf zu achten ist: Sehr arbeitsintensiv und ein brutaler Eingriff. Funktioniert nur bei gutem Flugwetter.
15. Die 9-Tage-Methode (Die Hoffnungslose)
Die sicherste Methode für normale Wirtschaftsvölker im Sommer, wenn man die Zeit aufbringen kann.
Worauf zu achten ist: Führt zu einer längeren Brutpause im Volk, was im Sommer den Milbendruck (Varroa) senkt (Vorteil!), aber auch Bienenmasse kostet. Jede Zelle muss zwingend gefunden werden! Fazit: Geduld ist die wichtigste Imker-Tugend
Praxis-Ablauf: Du nimmst die alte Königin aus dem Volk. Nun wartest du exakt 9 Tage. In dieser Zeit bauen die Bienen aus der noch vorhandenen jungen Brut Nachschaffungszellen. Nach 9 Tagen ist jedoch sämtliche Brut im Volk verdeckelt – es gibt keine offene Brut und keine Eier mehr, aus denen das Volk selbstständig eine Königin nachschaffen könnte. Jetzt ziehst du jede einzelne Wabe extrem penibel und schüttelst die Bienen ab, um wirklich jede einzelne Nachschaffungszelle zu brechen. Übersieht man auch nur eine winzige Zelle, ist die Methode gescheitert! Das Volk befindet sich nun im Zustand der „absoluten Hoffnungslosigkeit“. Setzt du jetzt die neue Königin im Zusetzkäfig (mit Futterteigfreigabe) zu, MUSS das Volk sie annehmen, da es sonst dem Untergang geweiht ist.
Fazit: Geduld ist die wichtigste Imker-Tugend
Das Einweiseln ist kein mechanischer Vorgang, sondern ein biologischer Prozess. Wer die Regeln der Weisellosigkeit, des Bienenalters und der Wabenruhe missachtet, zahlt oft einen hohen Preis in Form von verlorener Zuchtgenetik. Geben Sie dem Volk Zeit, lassen Sie die Finger für 10 Tage aus der Beute und vertrauen Sie auf die Kraft der Pheromone.
Hast Du Fragen zu einer speziellen Methode oder suchst Du nach einer Lösung für ein drohnenbrütiges Volk? Kontaktiere uns. Telefonisch oder beim Infoabend.
Quellen
Hier ist die Übersicht der im Notizbuch verwendeten Quellen für die Zusetzmethoden, jeweils direkt verlinkt und mit Angabe der Autoren/Herausgeber:
1. Offizielle Fachberichte und Merkblätter (Institutionen)
- 4.5.2. Königin zusetzen | Bienen.ch
- Autor:Bienen.ch (apiservice / Bienengesundheitsdienst, Schweiz).
- Königinnenerneuerung, Ablegerbildung und Kunstschwarmbildung
- Autor:Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG Veitshöchheim, Fachzentrum Bienen).
- Zusetzen von Bienenköniginnen nach dem Versand
- Autor:Varroaresistenzzucht e.V. (Sachsen).
2. Praxis-Leitfäden von Imkereien und Fachhändlern
- Königin zusetzen: 3 bewährte Einweisel-Methoden
- Autor:Yassin vom Team the honey factory (Dennheritz).
- Anleitung zum Zusetzen einer neuen Königin
- Autor:Der Bayerwaldimker (Imkerei Rene Hansl).
- Anleitung für das zusetzen einer Bienen Königin
- Autor:Bienenzucht-Profi.
- Kunstschwärme bilden und Perfekte Ablegerbildung am eigenen Stand
- Autor:Imkado GmbH (Isen).
- Königinnen erfolgreich zusetzen – ein paar Tipps und Zusetzkäfig Iltis
- Autor:Werner Seip (Taunus-Imkerei SEIP / Imkereibedarf Seip).
3. Community-Diskussionen (Erfahrungsberichte)
- Imkerforum seit 1996 (Herausgeber: Hartmut Ebert)
- Themenstränge:
- Ableger vermutlich weisellos. Was nun? (Autoren: Forenmitglieder wie wiesi, Eisvogel und Lothar).
- Nelkenöl und umweiseln! (Autoren: Forenmitglieder wie happy, sabi(e)ne und Radix).
- Wie Königin nach langem Transport zusetzen (Autoren: Forenmitglieder wie Gotthardsternli, swissmix und beemax).
- Zusetzkäfige – die Qual der Wahl (Autoren: Forenmitglieder wie Genscher, Kai-Michael Engfer und J Jörg).
- Themenstränge:
4. YouTube-Praxisvideos (Audio-Visuelle Medien)
- Der beste Zusetzkäfig – das Gelbe Runde Zusetzgitter
- Autor:Kai-Michael Engfer (YouTube-Kanal „Nordbiene – Bienen & Natur“).
- Volk ohne Königin? Weiselprobe durchführen
- Autor: YouTube-Kanal BEE – MAN.
- Im weiselrichtigen Volk eine neue Königin zusetzen
- Autor:Werner Seip (YouTube-Kanal „Werner Seip“).



