
Das Thermometer klettert unaufhaltsam auf 32 Grad Celsius, die Sonne brennt unbarmherzig vom stahlblauen Himmel über Ostwestfalen, und der süße Duft von frischem Bienenwachs vermischt sich mit dem herzhaften Aroma von frisch gedämpften Kartoffeln. Am 20. und 21. Juni 2026 feierte der Herforder Ortsteil Eickum sein 875-jähriges Bestehen mit einem rauschenden Dorffest, das alle Erwartungen übertraf. Mittendrin statt nur dabei: Der Imkerverein Herford, der die rund 2.000 Festbesucher nicht nur mit regionalen Honigschätzen verzauberte, sondern auch einen flammenden Appell für den aktiven Natur- und Artenschutz startete.
Warum feierte Eickum sein 875-jähriges Bestehen auf Hagemanns Hof?
Wer den geschichtsträchtigen Boden von Hagemanns Hof an diesem Festwochenende betrat, spürte sofort den tiefen Atem der Jahrhunderte. Die historische Hofanlage bildete das schlagende Herz der Feierlichkeiten und bot die perfekte Kulisse, um die Brücke von der Vergangenheit in die Moderne zu schlagen. Auf der großen, rustikalen Deele des Hofes durften die Besucher eine Zeitreise der besonderen Art erleben. In mühevoller Detailarbeit hatten die Organisatoren eine beeindruckende historische Ausstellung auf die Beine gestellt.

Die anschaulichen Bildergalerien zogen die Menschen magisch an. Die historischen Schwarz-Weiß-Fotografien zeigten die alten Jahrgänge der Eickumer Grundschule, die Urgroßeltern der heutigen Festbesucher. Dem Betrachter offenbarte sich der Wandel des früheren, rein landwirtschaftlich geprägten Dorflebens hin zu einer modernen, bunten und ungemein lebhaften Dorfgemeinschaft. Dieser gewachsene Zusammenhalt war an jeder Ecke spürbar. Für den Imkerverein Herford stellte diese historische Deele den idealen Raum dar, um zu verdeutlichen, dass die Bienenhaltung seit jeher fest mit der ländlichen Kultur und der Erzeugung gesunder, regionaler Lebensmittel verwoben ist.
Wie verlief der feierliche Gottesdienst am Sonntagmorgen?
Der Sonntag begann mit einem Moment des Innehaltens, der den Besuchern noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Umgeben von den historischen Mauern des Hofes und dem sanften Summen der Natur versammelte sich die Festgemeinde am Sonntagmorgen zu einem feierlichen Freiluft-Gottesdienst. Die Einladung lockte Jung und Alt gleichermaßen an, sodass die Sitzbänke bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Die Predigt stellte die Bewahrung der Schöpfung, den Respekt vor der Natur und den unschätzbaren Wert des dörflichen Miteinanders in den Mittelpunkt.

Musikalische Untermalung zum Gottesdienst auf dem Eickumer Dorffest anlässlich der 875-Jahr-Feier
Diese spirituelle Eröffnung des zweiten Festtages schuf eine tiefgründige, harmonische Atmosphäre. Die Worte des Pastors hallten spürbar nach und bildeten das perfekte Fundament für die Ziele, die auch der Imkerverein Herford tagtäglich verfolgt: Den Schutz unserer Umwelt und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Nach dem Segen ging die andächtige Stimmung nahtlos in ein fröhliches, nachbarschaftliches Treiben über, das den gesamten Sonntag prägte.
Welche Höhepunkte bot das abwechslungsreiche Festprogramm auf der Bühne?
Das Eickumer Dorffest glänzte mit einem präzise durchdachten Kultur- und Unterhaltungsprogramm auf der großen Festbühne. Den offiziellen Startschuss gab Frau Anke Theisen, die das Fest mit einer mitreißenden und herzlichen Eröffnungsrede feierlich deklarierte. Der Funke sprang sofort auf das Publikum über. Als direkt im Anschluss die Kinder der örtlichen Grundschule und der Kindertagesstätte die Bühne betraten, gab es im Publikum kein Halten mehr. Mit ihren bunten Kostümen und enthusiastischen musikalischen Einlagen rührten sie die Zuschauer und ernteten tosenden Applaus.
Nach diesem fulminanten Auftakt blieb der Publikumsverkehr vor der Bühne ungebrochen hoch. Ein abwechslungsreicher Mix aus mitreißender Live-Musik lokaler Bands und dynamischen Tanzvorführungen lokaler Gruppen sorgte für eine ausgelassene Volksfeststimmung. Die Zuschauer klatschten, tanzten und trotzten gemeinschaftlich der intensiven Juni-Hitze. Das Programm schaffte es bravourös, den Spagat zwischen traditioneller Brauchtumspflege und moderner Unterhaltung zu meistern.
Wie erlebten Familien das detailreiche Kinderprogramm und das Mario-Mobil?
Für die jüngsten Festbesucher verwandelte sich Hagemanns Hof in ein lebendiges, kunterbuntes Spielparadies, das keine Wünsche offenließ. Der unbestrittene Star der Kindermeile war das legendäre Mario-Mobil. Dieser interaktive Spielebus zog die Kids magisch an und war über beide Tage hinweg ununterbrochen dicht belagert. Doch auch das kreative Handwerk kam keineswegs zu kurz: An liebevoll betreuten Bastelstationen durften die Kinder ihr handwerkliches Geschick unter Beweis stellen und eigene kleine Kunstwerke als bleibende Erinnerung an das 875-jährige Dorfjubiläum anfertigen.

Spannende Wurfspiele und sportliche Parcours forderten den Ehrgeiz der Kleinen heraus, während die Eltern im Schatten der alten Hofbäume verschnaufen konnten. Die erfahrenen Bienenexperten vom Imkerverein Herford integrierten sich perfekt in dieses kindgerechte Angebot. Am Imkerstand warteten detailreiche Bienen-Ausmalbilder auf die kleinen Künstler. Diese spielerische Heranführung an das Thema Insektenschutz war ein voller Erfolg; Hunderte von Vorlagen wurden mitgenommen, um zu Hause farbenfroh gestaltet zu werden.
Welche kulinarischen Sensationen boten die Eis-Dragans und die historischen Traktoren?
Bei schweißtreibenden Temperaturen von bis zu 32 Grad Celsius spielte die kulinarische Versorgung der rund 2.000 Gäste eine zentrale Rolle. Das Angebot ging weit über die übliche Standard-Festplatzgastronomie hinaus. Ein absolutes Highlight für Nostalgiker und Feinschmecker war der beeindruckende Stand der historischen Traktoren. Die Oldtimer-Freunde des Alt-Traktoren-Club Herford e. V. hatten eine traditionelle Dämpfmaschine aufgebaut, die mit lautem Fauchen und Zischen die legendären Dampfkartoffeln produzierte. Der Verzehr dieser heißen, unverfälschten Spezialität direkt aus dem historischen Dämpfer war ein uriges Erlebnis, das perfekt zum historischen Charakter des Jubiläums passte.

Als süßer Gegenpol und Retter in der Hitzeschlacht fungierte der spektakuläre Stand der Eis-Dragans. Mit ihren innovativen, eiskalten Kreationen und erfrischenden Geschmackskompositionen sorgten die Eis-Dragans für lange Schlangen und glückliche Gesichter bei den erhitzten Gästen. Wer es lieber traditionell mochte, steuerte Vivis Eiswagen an oder genoss die sprichwörtlichen „Waffeln mit Herz“, die frisch gebacken über den Tresen gingen. Für den herzhaften Hunger stand eine deftige Curry-Bratwurst mit goldgelben Pommes bereit, während eine immense Auswahl an eiskalten, durstlöschenden Getränken den Flüssigkeitshaushalt der Festgemeinde sicherstellte.

Wie sicherten die Rettungskräfte das heiße Festwochenende ab?
Das extreme Sommerwetter stellte die Logistik und die Sicherheitsorgane vor erhebliche Herausforderungen. Die brennende Sonne und die dichten Menschenmassen machten die permanente Präsenz von medizinischem Fachpersonal unerlässlich. Der Stand und die Einsatzfahrzeuge der Rettungskräfte waren strategisch klug auf dem Festgelände positioniert, um im Ernstfall sekundenschnell agieren zu können. Die Sanitäter und Helfer des DRK-Herford zeigten an beiden Tagen eine vorbildliche Wachsamkeit und Präsenz.
Glücklicherweise kam es trotz der tropischen Temperaturen zu keinen schwerwiegenden Zwischenfällen. Das lag nicht zuletzt an der präventiven Arbeit der Einsatzkräfte: Die Rettungskräfte suchten aktiv das Gespräch mit den Besuchern, verteilten Tipps zum richtigen Verhalten bei extremer Hitze und erinnerten die Menschen unermüdlich an ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Diese professionelle, beruhigende Absicherung gab Ausstellern wie dem Imkerverein Herford die nötige Sicherheit, um sich voll und ganz auf die Betreuung der interessierten Gäste zu konzentrieren.

Warum wurde der Stand vom Imkerverein Herford zum absoluten Publikumsmagneten?
Die Platzierung hätte besser nicht sein können: Direkt im zentralen Ein- und Ausgangsbereich von Hagemanns Hof gelegen, war der Stand vom Imkerverein Herford eine optische Sensation und ein absoluter Publikumsmagnet. Kein Gast konnte das Gelände betreten oder verlassen, ohne von der liebevollen, detailreichen Gestaltung des Imkerstandes angezogen zu werden. Die Vereinsmitglieder hatten keine Mühen gescheut, um den Stand in eine grüne Oase der Information und des Genusses zu verwandeln.
Hier trafen fundiertes Fachwissen, handwerkliche Leidenschaft und pure Gastfreundschaft aufeinander. Die Imker standen in ihren typischen Outfits bereit, um jede Frage geduldig und kompetent zu beantworten. Das offene Konzept lud explizit zum Anfassen, Riechen und Schmecken ein. Während die Erwachsenen tief in fachliche Diskussionen über Honigqualität und Bienenbiologie eintauchten, ergötzten sich die Kinder an den Anschauungsobjekten. Der Stand war über die gesamten zwei Tage hinweg ununterbrochen von Menschentrauben umringt, was den enormen Stellenwert der Imkerei in der Bevölkerung eindrucksvoll untermauerte.

Quelle: Privat / Autor: Rainer Rockstroh/ Lizenz: Alle Rechte vorbehalten
Wie bekämpft der Imkerverein Herford die invasive Asiatische Hornisse (Vespa velutina)?
Hinter der idyllischen Fassade des Imkerstandes verbarg sich jedoch auch ein hochaktuelles, ernstes Thema, das der Imkerverein Herford mit Nachdruck in die Öffentlichkeit trug: Die rasante Ausbreitung der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina). Diese invasive Art stellt die größte Bedrohung für unsere heimische Insektenwelt und insbesondere für die Honigbienen seit Jahrzehnten dar. Die Invasoren jagen im organisierten Gruppenflug direkt vor den Fluglöchern der Bienenstöcke. Sie fangen die heimkehrenden Sammlerinnen in der Luft ab und dezimieren die Bienenvölker systematisch. Unsere einheimischen Insekten haben dieser hochspezialisierten Jagdstrategie von Natur aus kaum etwas entgegenzusetzen.
Die Aufklärungsarbeit auf dem Eickumer Dorffest war daher von strategischer Bedeutung für die Biosicherheit der gesamten Region Herford. Die Bekämpfung der Vespa velutina ist eine Aufgabe, die die Imkerschaft unmöglich im Alleingang bewältigen kann. Der Verein nutzte die immense Reichweite des Jubiläums, um die breite Bevölkerung flächendeckend zu sensibilisieren. Jede einzelne Sichtung, jede offizielle Meldung und jede Mithilfe aus der Bürgerschaft ist ein entscheidender Baustein, um die Ausbreitung dieser invasiven Spezies effektiv einzudämmen und unseren heimischen Ökosystemen wertvolle Zeit zur Anpassung zu verschaffen.
Welche Rolle spielen Locktöpfe und Nest-Meldungen beim Artenschutz?
Das wirksamste Instrument zur Eindämmung der Asiatischen Hornisse ist die präzise Lokalisierung und anschließende professionelle Entnahme der Nester. Da sich die riesigen Sekundärnester meist im Spätsommer in den schwindelerregenden Höhen von Baumkronen verbergen, ist das sogenannte Monitoring der Schlüssel zum Erfolg. Hier kommen die von den Imkern entwickelten Locktöpfe ins Spiel. Diese Spezialbehälter werden mit einer selektiven, hochattraktiven Flüssigkeit befüllt, die die Hornissen anzieht, für Honigbienen jedoch unattraktiv gestaltet ist.
Der Imkerverein Herford klärte die Festbesucher umfassend über den Bau und das korrekte Aufstellen dieser Beobachtungsstationen auf. Durch das Markieren der angelockten Hornissen und das exakte Stoppen ihrer Rückflugzeit lässt sich der Standort des Nestes im direkten Umkreis mathematisch präzise eingrenzen. Der Verein stellte klar: Erprobte Rezepte für diese hocheffizienten Locktöpfe findet jeder Naturfreund direkt auf der vereinseigenen Homepage. Man muss lediglich den Suchbegriff „Rezepte“ in das Suchfeld eingeben, um eine detaillierte Do-it-yourself-Anleitung zu erhalten. Jede installierte Station im Raum Herford erhöht die Chance, ein unentdecktes Nest rechtzeitig vor dem Ausfliegen der neuen Jungköniginnen im Herbst durch zertifizierte Experten eliminieren zu lassen.
Welche regionalen Honigschätze machten die Vielfalt der Herforder Imkerei erlebbar?
Ein Dorffest ist ohne kulinarische Genüsse unvollständig – und das absolute Highlight für Feinschmecker war zweifelsohne die Honigtheke auf dem Stand. Das angebotene Sortiment verdeutlichte eindrucksvoll das Credo der lokalen Bienenzüchter: Honig ist ein hochkomplexes, unverfälschtes Naturprodukt, dessen geschmackliche Bandbreite der eines edlen Weines in nichts nachsteht. Jedes Glas war ein Unikat, das die Flora einer ganz spezifischen Mikroregion widerspiegelte. Das unumstößliche Qualitätsversprechen des Tages: Alle Honige stammten zu 100 Prozent von den Bienenvölkern der aktiven Mitglieder vom Imkerverein Herford. Die Wertschöpfung bleibt somit vollständig in der Heimat, und die Transportwege sind minimal.

Die Palette der angebotenen Trachten faszinierte die Kundschaft nachhaltig. Neben Honig, der direkt in den Gärten von Eickum gesammelt wurde, stießen außergewöhnliche, sortenreine Spezialitäten auf begeisterte Abnehmer:
- Echter Akazienhonig: Ein glasklarer, flüssiger Traum von milder, lieblicher Süße, der aufgrund seines hohen Fructosegehalts über Monate hinweg flüssig bleibt.
- Würziger Waldhonig: Ein tiefdunkler, viskoser Honigtauhonig mit einem kräftigen, malzigen Geschmacksprofil, das die ätherischen Öle der heimischen Wälder in sich trägt.
- Erlesener Blütenhonig mit Kastanie: Eine Rarität mit einer feinherben, leicht herben Finesse und einer markanten Bernsteinfarbe, die besonders Kennergaumen entzückte.
Präsentiert wurden diese kostbaren Ernten unter anderem in liebevoll gestalteten Kleingläsern von 150 Gramm und 250 Gramm, verziert mit handgemalten Bienenstickern und individuellen Logos. Diese optischen Glanzpunkte eigneten sich hervorragend als exklusives Geschenk. Daneben thronte stolz das traditionelle, unverkennbare grüne Einheitsglas des Deutschen Imkerbundes (D. I. B.), das seit Generationen für kompromisslose Spitzenqualität nach strengen Richtlinien steht.
Was unterscheidet Frühtrachthonig von Sommertrachthonig im Detail?
Um die Faszination Honig vollends zu begreifen, weihten die Experten vom Imkerverein Herford die interessierten Verbraucher in die Geheimnisse der Trachtpflanzen-Phänologie ein. Das Bienenjahr teilt sich im Wesentlichen in zwei große Erntephasen: Die Frühtracht und die Sommertracht. Der fundamentale Unterschied zwischen diesen beiden Hauptformen liegt im Erntezeitpunkt und der chemischen Zusammensetzung des gesammelten Nektars, was sich massiv auf Konsistenz, Farbe und Geschmack auswirkt.
| Merkmal | Frühtrachthonig | Sommertrachthonig |
| Erntezeitraum | Mai bis Anfang Juni | Juli bis August |
| Haupt-Nektarquellen | Weide, Obstblüte, Löwenzahn, Raps | Linde, Brombeere, Klee, Sonnenblume |
| Zuckerverhältnis | Hoher Glucose-Anteil (Traubenzucker) | Hoher Fructose-Anteil (Fruchtzucker) |
| Kristallisation | Sehr rasch, erfordert Rühren | Sehr langsam, bleibt lange flüssig |
| Konsistenz im Verkauf | Feincremig, schmalzartig, fest | Flüssig bis zähflüssig, bernsteinfarben |
| Geschmacksprofil | Mild, blumig, elegant-süß | Kräftig, würzig, langanhaltend |
Ein Paradebeispiel für die erste Ernte des Jahres war der feincremige Frühtrachthonig vom Vlothoer Bonneberg. Da die Bienen im Frühjahr primär Raps und Obstblüten anfliegen, weist dieser Honig einen extrem hohen Anteil an natürlicher Glucose (Traubenzucker) auf. Dieser sorgt dafür, dass der Honig nach der Schleuderung binnen weniger Tage steinhart kristallisieren würde. Durch das handwerkliche, tägliche Rühren des Imkers werden die spitz zulaufenden Zuckerkristalle mechanisch zertrümmert. Es entsteht eine samtige, feincremige Textur, die auf der Zunge schmilzt.
Ganz anders verhält es sich beim Sommertrachthonig, der die geballte Energie des Hochsommers konserviert. Ab Juni fliegen die Völker des Vereins vorwiegend Lindenblüten, wilde Brombeerhecken und ausgedehnte Sonnenblumenfelder an. Oft mischen die Bienen in dieser Zeit auch wertvollen Honigtau unter, den sie von den Blättern der Waldbäume sammeln. Da in dieser Sommertracht die Fructose (Fruchtzucker) dominiert, bleibt der Honig von Natur aus über einen sehr langen Zeitraum flüssig. Er besticht durch eine deutlich dunklere, warme Farbgebung und ein ungleich intensiveres, kräuterig-würziges Aroma, das noch lange am Gaumen nachklingt.
Wie funktioniert eine professionelle Honigverkostung nach den Regeln der Sensorik?
Dass Honigessen weit mehr ist als das bloße Bestreichen eines Frühstücksbrotes, bewies das sensorische Seminar, das die Vereinsmitglieder live am Stand abhielten. Honig beherbergt weit über 180 nachgewiesene Begleitstoffe – darunter hochkomplexe Enzyme, organische Säuren, Vitamine und natürliche Inhibine. Um diese verborgene Geschmackswelt vollständig zu erschließen, bedarf es einer professionellen, schrittweisen Verkostungsmethode, wie sie auch bei offiziellen Honigprämierungen Anwendung findet. Die Experten vom Imkerverein Herford gaben den begeisterten Gästen eine exakte Anleitung an die Hand, um den eigenen Gaumen im Alltag zu schulen.
Der sensorische Leitfaden für den perfekten Honiggenuss gliedert sich in folgende feste Schritte:
- Die retronasale Analyse flüssiger Honige: Nimm einen kleinen Löffel flüssigen Honigs und lasse ihn ohne Kaubewegung langsam auf der Zungenmitte zergehen. Atme dabei leicht durch die Nase aus. Die flüchtigen Aromastoffe steigen über den Rachenraum in die Riechschleimhaut und entfalten dort ihr volles olfaktorisches Potenzial.
- Der Textur-Test für cremige Trachten: Platziere eine Portion cremigen Honigs im Mund und drücke ihn mit der Zunge sanft gegen den harten Gaumen. Ein handwerklich perfekt verarbeiteter Honig muss sich absolut zartschmelzend anfühlen. Spürst du grobe, sandige Kristalle, wurde der Honig während der Kristallisationsphase nicht ausreichend oder zu spät gerührt – ein klares Qualitätskriterium.
- Das bewusste Schmatzen zur Aromenaktivierung: Auch wenn es gegen die Etikette verstößt – beim Honigverkosten ist Schmatzen ausdrücklich erwünscht! Durch das Erzeugen eines leichten Vakuums im Mundraum führst du dem Honig gezielt Sauerstoff zu. Dieser Sauerstoffkick sorgt für eine explosionsartige Freisetzung der flüchtigen Ester und Aromen.
- Die gezielte Nutzung der geschmacklichen Zonen: Nutze die Biologie deiner Zunge. Führe explizit helle, milde Frühtrachthonige über die vordere Zungenspitze, wo sich die Rezeptoren für Süße befinden. Dunkle, herbe Sorten wie Wald- oder Kastanienhonig leitest du gezielt an den hinteren Teil der Zunge, um die dort sitzenden Rezeptoren für Bitterstoffe und komplexe Gerbstoffe optimal anzusprechen.
- Die visuelle Reinheitsprüfung im Glas: Ein fehlerfreier Honig darf sich niemals entmischen. Bildet sich an der Oberfläche eine flüssige, wässrige Schicht, deutet dies unmissverständlich auf einen zu hohen Wassergehalt (über 18 Prozent) hin – der Honig droht zu gären. Zudem darf das Produkt keine Schaumbildung aufweisen und niemals muffig, rauchig oder säuerlich riechen oder schmecken.
Sollte ein naturbelassener, klarer Honig im Vorratsschrank im Laufe der Zeit fest und trüb werden, ist dies kein Qualitätsmangel, sondern der unwiderlegbare Beweis für seine biologische Reinheit und den Verzicht auf industrielle Filtersysteme. Um den Honig wieder in seinen flüssigen Urzustand zu versetzen, empfiehlt der Imkerverein Herford ein schonendes Wasserbad bei einer Maximaltemperatur von 40 Grad Celsius. Wird diese Grenze überschritten, werden die hitzeempfindlichen, lebenswichtigen Enzyme wie Invertase und Diastase irreparabel zerstört, und der Honig verliert seinen gesundheitlichen Wert. Sobald ein klarer Honig während der Lagerung trüb wird, muss er regelmäßig gerührt werden, um eine feine Kristallstruktur zu garantieren.
Welches bleibende Fazit zieht der Imkerverein Herford aus der Zusammenarbeit in Eickum?
Als am Sonntagabend die Sonne langsam hinter den Dächern von Hagemanns Hof versank und die Aussteller erschöpft, aber überglücklich ihre Stände abbauten, zog die Vereinsführung ein durchweg euphorisches Fazit. Das zweitägige Jubiläum im Herforder Ortsteil hat eindrucksvoll demonstriert, wie elementar wichtig eine lebendige, transparente und bürgernahe Vereinspräsenz für das gesellschaftliche Gefüge ist. Durch die perfekte Symbiose aus kulinarischem Genuss, fundierter Umweltbildung und dem offenen Dialog traf der Verein exakt den Nerv der Zeit. Die Resonanz der rund 2.000 Besucher war so überwältigend positiv, dass die Imker ihren Stand an beiden Tagen spontan deutlich früher öffneten und länger besetzten als ursprünglich geplant.
Eickum gehört untrennbar zu Herford – genau wie der lokale Imkerverein selbst. Eine optimale, kompromisslose und liebevolle Gestaltung unserer Heimatregion kann nur dann gelingen, wenn sich alle Akteure über die Vereinsgrenzen hinweg engmaschig vernetzen. Wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten, sich gegenseitig Raum, Zeit, innovative Ideen und tatkräftige Unterstützung bieten, dann wird das Ergebnis für die Gemeinschaft und den Naturschutz grandios. Der Imkerverein Herford richtet daher einen tief empfundenen, herzlichen Dank an den Heimatverein Eickum e. V., dessen exzellente Organisation und Gastfreundschaft diesen unvergesslichen und erfolgreichen Auftritt erst ermöglicht haben. Die geknüpften Bande und die entstandene Verbundenheit werden die Wege des Vereins im Raum Herford noch lange positiv prägen.







