
Blick auf einen Bienenstock mit fliegenden Bienen und Imkerwerkzeug auf einer Blumenwiese. Quelle: KI-generiert (Prompt-basiert auf Vorlage). Autor: Rainer Rockstroh via KI-Assistent. Lizenz: None
Einfach Imkern – Für: Angehende Imkerinnen und Imker, Jungimker in den ersten Praxisjahren
Wer heute beschließt, in die Imkerwelt einzusteigen, wird förmlich erschlagen von einer Flut an Informationen, Philosophien und vermeintlichen Erfolgsrezepten. YouTube-Kanäle, Foren und eine schier unüberschaubare Anzahl an Fachbüchern werben um die Gunst der Neueinsteiger. Da gibt es die Anhänger der wesensgemäßen Bienenhaltung, Verfechter von Hightech-Beuten und traditionsbewusste Imker, die stur nach den Methoden des letzten Jahrhunderts arbeiten. In diesem Dschungel aus Ratschlägen brennt eine Frage auf den Nägeln: Wie fange ich an, ohne meine Bienen zu gefährden, astronomische Summen auszugeben oder schlicht den Verstand zu verlieren?
Die Antwort darauf liefert ein Klassiker der modernen Imkerliteratur, der in keinem Bücherregal fehlen darf: „Einfach imkern“ von Dr. Gerhard Liebig.
Oder / und der Anfängerkurs Imkern des Imkervereins Herfords.
Buchbesprechung „Einfach imkern“
Der Autor: Ein Mann der klaren Worte
Um das Buch zu verstehen, muss man einen Blick auf den Autor werfen. Dr. Gerhard Liebig ist promovierter Bienenwissenschaftler und war jahrzehntelang an der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim tätig. Er ist kein Schreibtischtäter, sondern ein Mann der Praxis, der in seinem Leben Tausende von Völkern betreut und unzählige wissenschaftliche Versuchsreihen durchgeführt hat.
Liebig ist in der Imkerszene bekannt – und durchaus auch streitbar – für seine kompromisslose, faktenbasierte und pragmatische Art. Er räumt radikal auf mit Mythen, Traditionen und „Glaubenssätzen“, die sich zwar hartnäckig in den Köpfen vieler Imker halten, einer wissenschaftlichen und praktischen Überprüfung aber nicht standhalten. Genau dieser Geist durchzieht das gesamte Buch.
Das Konzept: Reduzierung auf das Wesentliche
Der Titel des Buches „Einfach imkern“ ist Programm. Liebigs oberstes Credo lautet: Imkern ist Handwerk, und dieses Handwerk kann man so strukturieren, dass es weder den Imker überfordert noch das Bienenvolk unnötig stresst. Sein Ziel ist es, dem Anfänger ein System an die Hand zu geben, das mit einem Minimum an Eingriffen ein Maximum an Bienengesundheit und Honigertrag sichert.
Das Buch basiert auf der Betriebsweise im Zander-Maß (nach Liebig auch oft in der „Liebig-Zander-Beute“ praktiziert), lässt sich aber im Prinzip auf fast alle Magazin-Beuten mit Oberbehandlung übertragen. Liebig bricht die Imkerei auf wenige, logisch nachvollziehbare Schritte herunter, die sich am natürlichen Rhythmus des Bienenjahres orientieren.
Struktur und Inhalt: Ein roter Faden durch das Bienenjahr
Das Buch „Einfach imkern“ ist hervorragend strukturiert und führt den Leser chronologisch durch die Jahreszeiten. Das ist besonders für Anfänger ein Segen, da man das Buch quasi als Begleiter im ersten Imkerjahr nutzen kann.
- Die Biologie des Bienenvolkes: Bevor es an die Praxis geht, vermittelt Liebig das nötige Grundwissen über das „Superorganismus“ Bienenvolk. Warum verhalten sich Bienen, wie sie sich verhalten? Nur wer die Biologie versteht, kann später die richtigen Entscheidungen treffen.
- Die Ausrüstung: Hier zeigt sich Liebigs Pragmatismus. Er warnt eindringlich vor dem Kauf von unnötigem Schnickschnack. Eine einfache Magazinbeute, ein Schleier, ein Stockmeißel, ein Smoker – fertig ist die Grundausstattung. Er erklärt detailliert, warum die Magazinimkerei für Anfänger die flexibelste und bienenfreundlichste Methode ist.
- Frühjahrsentwicklung und Schwarmmanagement: Dies ist oft die spannendste und stressigste Zeit für Anfänger. Liebig nimmt hier den Druck aus dem Kessel. Seine Methode der Schwarmverhinderung durch das sogenannte „Kippen“ der Zargen und die rechtzeitige Ablegerbildung ist legendär einfach und effektiv. Er beschreibt Schritt für Schritt, wie man den Schwimmtrieb erkennt und lenkt, ohne jede Woche jede einzelne Wabe ziehen zu müssen.
- Die Honigernte: Von der Honigraumfreigabe bis zum Schleudern und Abfüllen wird der gesamte Prozess sauber, hygienisch und praxisnah erklärt.
- Spätsommerpflege und Varroabehandlung: Dies ist das kritischste Kapitel für jeden Imker. Liebig ist ein absoluter Verfechter der konsequenten Varroabekämpfung mittels Ameisensäure und Oxalsäure. Er erklärt die biologischen Zusammenhänge der Milbenentwicklung so plastisch, dass jedem Anfänger sofort klar wird, warum Schlamperei an dieser Stelle das Todesurteil für das Volk bedeutet. Seine Konzepte zur Einfütterung und Behandlung sind präzise wie ein Uhrwerk.
Der Schreibstil: Direkt, humorvoll und schnörkellos
Man muss den Stil von Gerhard Liebig mögen. Er schreibt, wie er spricht: direkt, manchmal fast hemdsärmelig, aber immer mit einer tiefen Liebe zur Biene und einem feinen, oft ironischen Humor. Er nimmt den Leser an die Hand, spart aber auch nicht mit Kritik an den Fehlern, die er bei Anfängern (und alten Hasen) immer wieder beobachtet.
Der Text ist gespickt mit Merksätzen, Tabellen und vor allem mit hervorragendem Bildmaterial. Die Fotos zeigen echte Praxissituationen am Bienenstand – hier ist nichts gestellt oder beschönigt. Wenn eine Wabe voller Kotflecken durch Nosemose ist, dann sieht man das ungeschönt, um daraus zu lernen.
Warum dieses Buch „Einfach imkern“perfekt für Anfänger ist
Für Menschen, die gerade erst mit der Imkerei beginnen, bietet „Einfach imkern“ unschätzbare Vorteile:
- Es nimmt die Angst: Liebig zeigt, dass man kein Biologiestudium braucht, um erfolgreich und bienengerecht zu imkern. Er nimmt dem Handwerk das Mystische und macht es begreifbar.
- Fokus statt Verzettelung: Anfänger neigen dazu, drei Imker nach ihrer Meinung zu fragen und vier verschiedene Antworten zu bekommen. Dieses Buch gibt eine klare Linie vor. Wer sich im ersten Jahr strikt an Liebigs Anleitung hält, wird seine Völker erfolgreich durch das Jahr und den Winter bringen. Experimentieren kann man später immer noch.
- Wirtschaftlichkeit und Tierschutz: Liebig zeigt auf, dass eine artgerechte Bienenhaltung und ein guter Honigertrag keine Gegensätze sind. Im Gegenteil: Ein gesundes, starkes Volk, das nach seinen Methoden geführt wird, ist vital und liefert ganz automatisch den verdienten Lohn in Form von Honig.
Gibt es auch Kritikpunkte in „Einfach imkern“?
Kein Buch ist perfekt, und so hat auch „Einfach imkern“ Ecken, an denen sich die Geister scheiden. Liebigs Fixierung auf das Magazin und seine strikte Ablehnung von alternativen Beutenformen (wie der Bienenkiste, Top-Bar-Hives oder der Korbimkerei) wird von Vertretern der rein ökologischen oder extensiven Imkerei oft kritisiert. Wer einen rein spirituellen oder absolut eingriffsfreien Zugang zur Biene sucht, wird mit Liebigs technischer und rationaler Herangehensweise eventuell fremdeln.
Zudem fordert seine rigorose Haltung zur Varroabehandlung mit organischen Säuren Disziplin. Wer nach sanfteren, rein „natürlichen“ Wegen sucht, die Milbe loszuwerden, wird in diesem Buch nicht fündig – Liebig argumentiert hier ganz im Sinne des Tierschutzes: Lieber eine saure Behandlung als ein qualvoller Tod des Volkes durch Viren.



