
Messe- und Congresszentrum Münster
Feierliche Eröffnung und Grußworte
Der 33. Apisticus-Tag wurde mit einer klaren Botschaft zur Bedeutung der Imkerei für Umwelt und Gesellschaft eröffnet.
- Dr. Arne Dahlhoff: Der Direktor der Landwirtschaftskammer NRW hieß die Gäste willkommen und betonte die Rolle des Bieneninstituts Münster als Brückenglied zwischen Wissenschaft und Praxis.
- Silke Gorißen: Die Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen unterstrich in ihrem Grußwort die politische Unterstützung für die Imkerei, insbesondere im Hinblick auf den Erhalt der Artenvielfalt.
- Dr. Thomas Forstreuter: Als Leiter der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer NRW führte er in das diesjährige Programm ein und hob die Rekordbeteiligung der Fachmesse hervor.
Die höchste Ehrung: Hubert Otto ist „Apisticus des Jahres 2026“
Ein emotionaler Höhepunkt unmittelbar nach der Eröffnung war die Würdigung herausragender Verdienste um das Imkerwesen.
Der Preisträger und sein Werdegang:
Hubert Otto aus Höxter wurde unter großem Applaus geehrt. Sein Wirken verbindet handwerkliche Tradition mit modernem Verbandsmanagement:

- Qualitätssicherung durch Honigbewertung: Hubert Otto gilt als eine der treibenden Kräfte hinter der Professionalisierung der Honigbewertung. Er war federführend daran beteiligt, dieses Instrument voranzutreiben, um die Qualität des heimischen Honigs messbar zu machen und den Imkern wertvolle Rückmeldungen zur Völkerführung und Erntehygiene zu geben.
- Digitalisierung der Verbandsarbeit: Ein Meilenstein seines Engagements ist die Entwicklung der DIB-Mitgliederverwaltung. Zusammen mit Vertretern aus dem Rheinland und dem Deutschen Imkerbund (DIB) entwickelte er maßgeblich jenes System, das heute die Grundlage für eine effiziente und zeitgemäße Verwaltung der Imkerschaft auf Bundesebene bildet.
- Expertenwissen und Seuchenschutz: Als langjähriger Bienensachverständiger (BSV) ist er eine unverzichtbare Stütze für die Tiergesundheit im Kreis Höxter. Sein Fachwissen in der Seuchenbekämpfung genießt weit über die Region hinaus hohes Ansehen.
- Mentorenschaft und Ausbildung: Als zertifizierter Schulungsobmann hat er in unzähligen Grundkursen das Fundament für die nächste Imkergeneration gelegt. Sein Fokus liegt dabei stets auf der Verbindung von theoretischem Wissen und praktischer Verantwortung gegenüber der Natur.
- Der Laudator: Friedrich-Wilhelm Brinkmann, Ehrenvorstand des Landesverbandes Westfälischer und Lippischer Imker e. V., betonte in seiner Rede, dass Hubert Otto nicht nur ein Praktiker am Bienenvolk ist, sondern ein Architekt moderner Verbandsstrukturen. Er habe es verstanden, die Imkerschaft durch die Einführung digitaler Verwaltungsprozesse und hoher Qualitätsstandards zukunftsfähig aufzustellen.
- Symbolkraft: Die Auszeichnung unterstreicht, dass die moderne Imkerei sowohl tiefes biologisches Wissen als auch professionelle Organisationsstrukturen benötigt. Hubert Otto verkörpert beide Welten in besonderem Maße.
Fachvorträge:
Invasion und Biologie der Vespa velutina
Das inhaltliche Schwerpunktthema wurde von ausgewiesenen Experten beleuchtet:
- Dr. Manfred Verhaagh: Der Experte vom Naturkundemuseum Karlsruhe referierte eindringlich über die Biologie der Asiatischen Hornisse und die Notwendigkeit eines koordinierten Monitorings.
- Praxis-Experten: In den begleitenden Foren wurden zudem Strategien zur Nestfindung und -entfernung diskutiert, die für die Imkerschaft vor Ort von existenzieller Bedeutung sind.
Varroaresistenz und Bienengesundheit
Die langfristige Sicherung der Völker stand im Zentrum der wissenschaftlichen Analysen:
- Dr. Marina Meixner: Vom Bieneninstitut Kirchhain gab sie wertvolle Einblicke in das Projekt „Varroaresistenz 2033“ und erläuterte, wie Zuchtauslese die Abhängigkeit von medikamentösen Behandlungen verringern kann.
- Dr. Otto Boecking: Er ergänzte die Diskussion um Aspekte der Vitalität von Honigbienen unter sich verändernden Umweltbedingungen.
Qualitätssicherung und Apitherapie
Honig als Lebensmittel und Heilmittel wurde aus professioneller Sicht betrachtet:
- Dr. Saskia Wöhl: Sie referierte über die Honigsensorik und Qualitätssicherung, um Imkern Werkzeuge an die Hand zu geben, ihren Honig als Premiumprodukt zu vermarkten.
- Dr. Thomas Gloger: Als Experte für Apitherapie begeisterte er das Publikum mit fundierten Informationen über die medizinische Wirksamkeit von Propolis, Pollen und Bienengift.
Marktplatz der Innovationen: Die Fachmesse im Fokus
Hinter den Vortragssälen pulsierte das Leben: Die Fachmesse des 33. Apisticustages war mit über 100 Ausstellern ein beeindruckendes Schaufenster für modernste Imkereitechnik. Hier trafen handwerkliche Tradition auf digitale Revolution und ökologische Nachhaltigkeit.
Ausrüstung und Technik: Effizienz am Bienenstand
Die großen Namen der Branche zeigten, dass körperliche Arbeit in der Imkerei immer ergonomischer wird. Namhafte Hersteller präsentierten:
- Honigschleudern der nächsten Generation: Vollautomatische Systeme mit programmierbaren Schleuderzyklen, die selbst bei zähflüssigem Heidehonig maximale Ausbeute garantieren.
- Beuten-Innovationen: Neben klassischen Holz- und Styroporbeuten fanden moderne Konzepte wie die Bienenkugel große Beachtung – inklusive Weltpremiere eines speziellen „Bienenkopfhörers“ zur akustischen Vitalitätsmessung der Völker.
Ergonomie im Fokus: Professionelle Hebetechnik
Ein großes Thema der diesjährigen Messe war die körperliche Entlastung. Da die Imkerschaft im Durchschnitt älter wird und gleichzeitig die Erträge pro Volk steigen, rückt die Hebetechnik in den Fokus.
- Beutenlifte und Transportwagen: Hersteller wie Logiflex oder spezialisierte Imkereiausrüster präsentierten manuelle und elektrische Lifte, mit denen schwere Zargen ohne Rückenbelastung bewegt werden können. Besonders beeindruckend waren die geländegängigen Modelle, die auch in unebenem Wandergelände sicher stehen.
- Stationäre Hebehilfen: Für die Schleuderstrecke wurden Schwenkkran-Systeme gezeigt, die das Heben der Honigräume vom Stapel auf den Entdeckelungstisch zum Kinderspiel machen.
Sicherheit geht vor: Schutzanzüge der nächsten Generation
Angesichts der Ausbreitung der Vespa velutina haben sich die Anforderungen an die Schutzkleidung massiv gewandelt.
- Velutina-Schutzanzüge: Mehrere Aussteller präsentierten spezialisierte Ganzkörperanzüge, die deutlich dicker und mehrlagig konstruiert sind. Da die Asiatische Hornisse einen längeren Stachel besitzt und Gift spritzen kann, verfügen diese Anzüge über verstärkte Schichten und spezielle Visiere mit Spritzschutz.
- Atmungsaktive Innovationen: Für die klassische Arbeit am Bienenstock bei 30 Grad im Schatten gab es neue 3D-Mesh-Anzüge zu sehen. Diese bieten nicht nur volle Stichsicherheit, sondern sind durch ihre Wabenstruktur so luftdurchlässig, dass der Imker auch bei Hitze einen kühlen Kopf bewahrt.
Digitalisierung: Das „Smart Hive“ wird Standard
Dass Digitalisierung mehr ist als nur ein Buzzword, bewiesen Anbieter. Moderne Stockwaagen übertragen heute nicht mehr nur das Gewicht per App, sondern liefern via Cloud-Anbindung präzise Daten zu Trachtbeginn, Brutaktivität und Schwarmalarm direkt auf das Smartphone. Auch Softwarelösungen für die Bestandsverwaltung und Rückverfolgbarkeit von Honigchargen standen hoch im Kurs.
Gesundheit und Schutz: Kampf der Milbe und der Hornisse
Ein Schwerpunkt der Messe lag auf der aktiven Unterstützung der Bienengesundheit.
- Varroa-Management: Hersteller zeigten die neuesten zugelassenen Behandlungsmittel und biotechnischen Hilfsmittel.
- Velutina-Abwehr: Besondere Aufmerksamkeit zog der Stand von Wasserdampf-Lanze auf sich. Hier konnten Imker live erleben, wie mit Wasserdampf-Technologie invasive Hornissennester effektiv und ohne Gifteinsatz neutralisiert werden können.
Veredelung und Vermarktung
Damit der Honig beim Kunden auch optisch glänzt, präsentierten Firmen kreative Verpackungslösungen. Von individuellen Etikettendesigns bis hin zu nachhaltigen Glasverschlüssen war alles dabei, was die Marke „Heimischer Honig“ stärkt.
Praxis-Tipp der Messe: Der Stand „Mein Honig in Zahlen“ bot eine kostenlose Sofort-Analyse des Wassergehalts und der Leitfähigkeit an – ein Service, der von hunderten Imkern genutzt wurde, um die eigene Erntequalität direkt vor Ort prüfen zu lassen.
Mein Fazit zum Apisticustag 2026
Der Tag hat gezeigt: Der Imker von heute muss Biologe, IT-Manager und Logistiker zugleich sein. Doch die Innovationskraft der Hersteller macht Mut, dass wir die Arbeit – auch bei wachsenden Herausforderungen – gesund und effizient gemeinsam meistern können.
Wie wichtig ist Ihnen die Ergonomie am Bienenstand? Nutzen Sie bereits Hebehilfen oder setzen Sie auf klassische Handarbeit? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren!
















