
Ein erfahrener Imker beobachtet den Flugverkehr an einem Holz-Bienenstock in einem üppigen Bienenweide-Garten. Quelle: Google KI Autor: Banana Lizenz: CC BY-SA 4.0
Was Imker jetzt wissen müssen
Sie ist schnell, sie ist effizient und sie hat es auf unsere Honigbienen abgesehen. Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich unaufhaltsam aus. Doch Panik ist ein schlechter Ratgeber – was wir jetzt brauchen, ist ein kühler Kopf, ein geschultes Auge und eine starke Gemeinschaft. Erfahren Sie, wie Sie Ihre Völker schützen und warum Ihr Smartphone derzeit Ihr wichtigstes Werkzeug im Kampf gegen die Invasoren ist.
Der ungebetene Gast: Ein Jäger mit gelben Socken
Die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse klingt wie ein biologischer Krimi: Seit ihrer Einschleppung nach Frankreich im Jahr 2004 legt sie jährlich bis zu 100 Kilometer zurück. Für uns Imker bedeutet das: Es ist nicht mehr die Frage, ob sie kommt, sondern wann sie am eigenen Stand auftaucht.
Doch Vorsicht vor Verwechslungen! Unsere heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro) ist friedlich und steht unter strengem Schutz. So erkennen Sie den Unterschied:
- Die Beine: Das deutlichste Merkmal! Die Asiatische Hornisse trägt „gelbe Socken“ (gelbe Beinspitzen), während die heimische Art dunkle Beine hat.
- Der Körper: Vespa velutina ist dunkler, fast schwarz mit einem breiten orangefarbenen Band am Hinterleib. Unsere heimische Hornisse ist deutlich rötlich-brauner gefärbt.
- Das Primär-Nest: Achten Sie auf die Unterstände, Carports, Unterstände oder Ähnliches!! Pimärnester hängen oft in nur in 1-3 Metern Höhe und werden Handballgroß – ca. 500 Tieren.
- Das Sekundär-Nest: Ca. im Juli ziehen die Hornissen um. Achten Sie auf die Baumkronen! Sekundärnester hängen oft in über 10 Metern Höhe und werden riesig – bis zu einem Meter Durchmesser.

Flugparalyse: Wenn das Summen verstummt
Warum ist dieser Eindringling so gefährlich für unsere Völker? Die Asiatische Hornisse hat eine perfide Jagdstrategie: den Schwebeflug direkt vor dem Flugloch.
Das löst bei den Bienen massiven Stress aus. Die Folge ist eine sogenannte Flugparalyse. Die Bienen trauen sich nicht mehr aus dem Stock, der Sammelflug kommt zum Erliegen und die Brutpflege wird eingestellt. In stark betroffenen Gebieten Europas berichten Kollegen von Verlustraten zwischen 30 % und 80 %. Das ist eine existenzielle Bedrohung für jede Imkerei.
Wussten Sie schon? Ein einziges Hornissennest vertilgt pro Saison etwa 11 Kilogramm Insekten – darunter eine enorme Menge an Wild- und Honigbienen.
Mehr als „nur“ Bienensterben: Schäden in Landwirtschaft und Natur
Die Auswirkungen reichen weit über unsere Bienenstände hinaus:
- Obst- und Weinbau: Die Hornissen fressen reifes Obst an, was zu Fäulnis und massiven Ernteausfällen führt.
- Biodiversität: Über 1.400 Tierarten wurden in den Mägen der Larven nachgewiesen. Die Hornisse greift massiv in unser heimisches Ökosystem ein.
- Gesundheitsrisiko: Für uns Menschen ist Vorsicht geboten. Die Stiche sind schmerzhaft und können allergische Schocks auslösen. Besonders bei Arbeiten an Hecken oder in Baumkronen ist Vorsicht geboten – halten Sie mindestens 5 Meter Abstand zu jedem Nest!
Strategien für Imker: Schützen statt blind Fallen stellen
Die gute Nachricht: Die Forschung schläft nicht. Um unsere Stände zu schützen, setzen Experten auf moderne Technik statt auf die „chemische Keule“.
- Selektive Abwehr: Verzichten Sie auf unspezifische Lockstofffallen! Diese fangen zu viele nützliche Insekten. Nutzen Sie stattdessen mechanische „Maulkörbe“ (Muzzles) oder elektrische Harfen vor den Fluglöchern.
- Hightech-Suche: Behörden setzen heute auf Radiotelemetrie. Dabei werden Hornissen besendert, um sie direkt zu ihrem gut versteckten Nest zu verfolgen.
- Professionelle Hilfe: Wenn Sie ein Nest entdecken, versuchen Sie niemals, es selbst zu entfernen! Die Tiere verteidigen ihr Heim aggressiv. Kontaktieren Sie umgehend Spezialisten.
Ihr Einsatz ist gefragt: Beobachten, Fotografieren, Melden!
Wir Imker sind die Augen und Ohren der Natur. Da wir ohnehin täglich an unseren Völkern sind, sind wir die wichtigste Instanz bei der Früherkennung.
Ihr Schlachtplan für diese Saison:
- Wachsamkeit: Kontrollieren Sie Ihre Stände regelmäßig auf im Schwebeflug verharrende Hornissen.
- Beweissicherung: Machen Sie ein Foto! Ohne Bildnachweis können Behörden oft nicht tätig werden.
- Bitte melden: Nutzen Sie die offiziellen Melde-Portale Ihres Bundeslandes oder spezielle Apps (z. B. das Neobiota-Portal). Jede Meldung hilft, die Ausbreitung zu verlangsamen.
Gemeinsam für unsere Bienen: Wir können die Asiatische Hornisse vielleicht nicht mehr ganz stoppen, aber wir können ihre Ausbreitung kontrollieren und unsere Völker schützen. Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Vereinskollegen und bleiben Sie wachsam!
Haben Sie bereits Erfahrungen mit der Asiatischen Hornisse gemacht oder Sichtungen in Ihrer Region gemeldet? Schreiben Sie es uns in die Kommentare!












