
Asiatische Hornisse Foto: Reiner Jan
Was du wirklich über die Asiatische Hornisse wissen musst
Die Schlagzeilen klingen oft nach einem Horrorfilm: „Killer-Hornissen auf dem Vormarsch“ oder „Todesurteil für unsere Honigbienen“. Seit sich die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) auch in unserer Region ausbreitet, wächst die Unsicherheit. Doch was ist dran an den Schauermärchen?
Wir haben die häufigsten Mythen unter die Lupe genommen und mit den Fakten aus der imkerlichen Praxis und Wissenschaft abgeglichen.
Mythos 1: „Die Asiatische Hornisse ist für Menschen viel gefährlicher als die heimische.“
Der Faktencheck: Das ist falsch. Das Gift der Asiatischen Hornisse ist nicht toxischer als das unserer heimischen Hornisse oder von Wespen. Ein Stich ist schmerzhaft, aber für Nicht-Allergiker in der Regel harmlos.
Aber Achtung: Es gibt einen feinen Unterschied im Verhalten. Während unsere europäische Hornisse eher ein friedlicher Riese ist, der bei Annäherung an das Nest meist flüchtet, verteidigt die Vespa velutina ihr Nest aggressiver und ausdauernder. Wer einem Nest näher als 3 Meter kommt, löst einen Verteidigungsreflex aus. Da die Völker mit bis zu 3.000 Tieren viel größer sind als die der heimischen Art (ca. 400-600 Tiere), können im Ernstfall mehr Tiere gleichzeitig angreifen.
Mythos 2: „Sie frisst ganze Bienenvölker innerhalb weniger Tage leer.“
Der Faktencheck: Das ist übertrieben, aber nicht ohne Kern. Die Asiatische Hornisse ist eine spezialisierte Jägerin. Sie beherrscht den „Rüttelflug“ vor dem Flugloch und fängt Bienen im Flug ab.
Ein gesundes, starkes Bienenvolk kann den Verlust einzelner Sammelbienen meist gut verkraften. Das eigentliche Problem ist der Stress: Wenn zu viele Hornissen vor der Beute patrouillieren, trauen sich die Bienen nicht mehr hinaus (Flugstopp). Die Folge: Es wird weniger Pollen und Nektar eingetragen, die Königin geht aus der Brut und das Volk schwächt sich für den Winter selbst.
Mythos 3: „Wenn ich eine sehe, muss ich sie sofort erschlagen.“
Der Faktencheck: Bitte nicht! Einzelne Tiere zu töten, bringt dem Bienenstand wenig, birgt aber zwei Gefahren:
- Verwechslungsgefahr: Viele Laien erschlagen fälschlicherweise unsere geschützte heimische Hornisse.
- Effektlosigkeit: Das Töten einer Arbeiterin schwächt ein großes Volk kaum.
Viel wichtiger: Ruhe bewahren, Foto machen und den Standort (oder die Flugrichtung) über das [Neobiota-Portal NRW] melden. Nur so können Profis die Nester finden und unschädlich machen.
Mythos 4: „Die Nester hängen immer hoch oben in den Bäumen.“
Der Faktencheck: Das stimmt nur zur Hälfte. Die Vespa velutina baut im Jahresverlauf zwei Arten von Nestern:
- Das Primärnest: Im Frühjahr gründen die Königinnen kleine Nester oft in Bodennähe – in Hecken, Geräteschuppen oder unter Dachvorsprüngen.
- Das Sekundärnest: Erst im Sommer zieht das Volk um. Dann entstehen die riesigen, oft übersehenen Nester hoch oben in den Baumkronen.
Experten-Tipp: Besonders im Frühjahr lohnt sich ein Blick in den Gartenschuppen oder unter den Carport. Wer das Primärnest früh meldet, verhindert die Entstehung eines riesigen Volkes im Spätsommer!
Mythos 5: „Wer ein Nest auf dem Grundstück hat, muss die Entfernung selbst zahlen.“
Der Faktencheck (Rechtslage 2026): Hier gibt es oft Verwirrung. Da die Asiatische Hornisse auf der Liste der invasiven Arten von unionsweiter Bedeutung steht, ist der Staat grundsätzlich zur Überwachung und Eindämmung verpflichtet.
In NRW wird die Entfernung durch die Untere Naturschutzbehörde koordiniert. In vielen Fällen werden die Kosten übernommen, da die Bekämpfung im öffentlichen Interesse (Artenschutz) liegt. Dennoch kann es bei Gefahr im Verzug auf Privatgrundstücken zu individuellen Absprachen kommen. Wichtig: Niemals eigenmächtig einen Kammerjäger rufen, ohne die Behörde zu informieren – sonst bleibst du sicher auf den Kosten sitzen!
Fazit: Wachsamkeit statt Panik
Die Asiatische Hornisse ist gekommen, um zu bleiben. Sie ist eine Herausforderung für die Imkerei und die Biodiversität, aber keine unbesiegbare Gefahr für den Menschen.
Was du jetzt tun kannst:
- Augen auf: Achte auf die gelben Beine.
- Dokumentieren: Foto machen!
- Melden: Nutze die offiziellen Portale.
Hast du weitere Fragen oder eine Verdachtssichtung? Melde dich bei uns im Imkerverein – wir helfen bei der Bestimmung und leiten die richtigen Schritte ein ….




