die stille Nützliche
Während Deutsche und Gemeine Wespe im Sommer als lästige Gäste am Kuchenteller gelten, führt die Rote Wespe ein Leben weitgehend im Verborgenen – still, friedfertig und für das Ökosystem unverzichtbar.
Hier Foto der Roten Wespe einfügen (z. B. CC-lizenziertes Bild von Wikimedia Commons)
Arbeiterin der Roten Wespe (Vespula rufa) – gut erkennbar an den rötlich-orangen Hinterleibssegmenten. Foto: [Fotograf/Quelle]
Steckbrief
| Wissenschaftlicher Name | Vespula rufa (Linnaeus, 1758) |
|---|---|
| Volksnamen | Rote Wespe, Waldwespe |
| Familie | Faltenwespen (Vespidae), Echte Wespen (Vespinae) |
| Körpergröße | Königin: 16–20 mm · Arbeiterin: 10–14 mm · Drohne: 13–16 mm |
| Erkennungsmerkmale | Gelbschwarz gezeichnet mit auffallend rötlich-orangen 1. und 2. Hinterleibssegmenten; Kurzkopfwespe |
| Neststandort | Unterirdisch, meist in verlassenen Maulwurf- oder Mäusegängen |
| Nestgröße | ca. 15–20 cm Durchmesser; bis zu ~700 Individuen möglich |
| Volk | 150–350 Tiere (typisch) |
| Lebenszyklus | April/Mai bis Mitte September; nur begattete Königinnen überwintern |
| Nahrung | Adulte: Nektar und Honigtau · Larven: Insekten (Fliegen, Mücken) |
| Verbreitung | Europa, Naher Osten, Ostasien, Nordamerika |
| Status | Kein Lästling; selten in Siedlungsnähe |
Erkennungsmerkmale
Das auffälligste Merkmal der Roten Wespe ist ihre Namensgeberin: Die beiden vorderen Hinterleibssegmente sind leuchtend rötlich-orange gefärbt, sodass das Tier insgesamt eher rot-orange als gelb wirkt. Das Kopfschild (Clypeus) trägt meist einen senkrechten schwarzen Streifen, der unten verbreitert ist und an eine Pfeilspitze erinnert – allerdings ist diese Zeichnung variabel und kann auch stark reduziert auftreten.
Als Kurzkopfwespe (Vespula) hat sie einen vergleichsweise kurzen Abstand zwischen Oberkieferbasis und unterem Augenrand – im Gegensatz zur Mittleren Wespe (Dolichovespula media), die als Langkopfwespe gilt. Bei den Königinnen ist die Rotfärbung mitunter blasser oder weniger ausgeprägt als bei den Arbeiterinnen.
Verwechslungsgefahr
Mit der Gemeinen (Vespula vulgaris) und Deutschen Wespe (Vespula germanica) ist eine Verwechslung möglich, da alle drei zur selben Gattung gehören. Entscheidendes Unterscheidungsmerkmal ist die rötliche Zeichnung der ersten beiden Hinterleibsglieder – dieses Merkmal fehlt bei den beiden häufigeren Schwestern vollständig.
Lebensweise und Jahresverlauf
Wie alle sozialen Wespen lebt auch die Rote Wespe in Jahresvölkern. Ab Mitte April verlassen die begatteten Königinnen ihr Winterquartier und beginnen mit der Nestsuche und Nahrungsaufnahme. Als „Dunkelhöhlennister” legt die Rote Wespe ihr Nest fast ausschließlich unterirdisch an – bevorzugt in verlassenen Maulwurf- oder Mäusebauten, gelegentlich auch an feuchteren Stellen im Boden.
Ab Juni schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Das Nest wächst auf etwa 15–20 cm Durchmesser heran. Im Spätsommer, spätestens bis Mitte September, stirbt das gesamte Volk ab – mit Ausnahme der begatteten Jungköniginnen, die sich zur Überwinterung zurückziehen und im folgenden Frühjahr neue Völker gründen.
Wissenswertes für Gartenbesitzer
Die Rote Wespe ist die einzige ihrer Gattung, die nicht lästig wird: Sie meidet menschliche Siedlungen weitgehend und ist nicht an Speisen oder Getränken interessiert. Wird das Nest nicht gestört, geht von ihr keinerlei Gefahr aus.
Ernährung und ökologische Bedeutung
Die erwachsenen Tiere ernähren sich überwiegend vom Nektar verschiedener Blütenpflanzen sowie vom Honigtau von Blattläusen. Die Larven hingegen werden mit tierischem Eiweiß versorgt: Die Arbeiterinnen erbeuten hauptsächlich Fliegen und Mücken, zerkäuen diese zu Brei und verfüttern ihn an die Brut. Dabei jagen die Tiere häufig auf Doldenblütlern.
Durch diese Jagdtätigkeit leistet die Rote Wespe einen wertvollen Beitrag zur natürlichen Schädlingsregulierung im Garten und im Wald. Gleichzeitig trägt sie als Blütenbesucherin – wenn auch in geringerem Maß als Bienen – zur Bestäubung bei.
Verbreitung und Lebensraum
Die Rote Wespe ist in ganz Europa verbreitet und kommt auch im Nahen Osten sowie in Teilen Asiens und Nordamerikas vor. In Deutschland ist sie zwar grundsätzlich flächendeckend nachgewiesen, aber deutlich seltener anzutreffen als die Gemeine oder Deutsche Wespe. Sie bevorzugt lichte Wälder, Waldränder und strukturreiche Landschaften mit ausreichend Bodenhöhlen potenzieller Nestplätze – in dichten Stadtgebieten findet man sie kaum.
Schutzstatus und Umgang mit Nestern
Wie alle Wespenarten in Deutschland unterliegt auch die Rote Wespe dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Nester dürfen nicht mutwillig zerstört werden. Da die Art jedoch selten in direktem Konflikt mit Menschen tritt und ihre Nester gut versteckt unterirdisch angelegt sind, ist eine Konfrontation ohnehin unwahrscheinlich.
Nest entdeckt? So verhält man sich richtig.
Wird zufällig ein Nest im Garten, beim Umgraben oder bei Erdarbeiten entdeckt: Ruhe bewahren, den Bereich großräumig umgehen und möglichst nicht in die Nestnähe gelangen. Das Nest wird nur verteidigt, wenn es unmittelbar gestört wird. Bei Bedarf an einen zertifizierten Wespenberater oder den zuständigen Imkerverein wenden.
Bedeutung für die Imkerei
Für Imkerinnen und Imker ist die Rote Wespe in der Regel kein Problem: Sie räubert keine Bienenvölker und dringt nicht in Bienenstöcke ein. Anders als Deutsche und Gemeine Wespe, die in Jahren mit schlechter Trachtlage durchaus Bienenvölker bedrängen können, zählt Vespula rufa nicht zu den Bedrohungen für den Bienenstand. Wer eine Rote Wespe im Garten oder am Bienenstand beobachtet, darf sie getrost gewähren lassen.
Fazit
Die Rote Wespe ist ein faszinierendes, friedliches Insekt, das im Verborgenen Großes leistet. Als natürliche Regulatorin von Fliegen- und Mückenpopulationen und gelegentliche Bestäuberin gehört sie zu den stillen Nützlingen unserer heimischen Fauna. Wer ihr begegnet, sollte sich freuen – und Abstand halten.
