Die Verkannte unter den Baumeistern
In der Welt der Wespen genießt kaum eine Art einen so unschuldigen Ruf bei Experten und gleichzeitig so viel Misstrauen bei Laien wie die Mittlere Wespe (Dolichovespula media). Oft wird sie aufgrund ihrer Größe und Färbung mit der Hornisse verwechselt, doch bei genauerem Hinsehen offenbart sie faszinierende Eigenheiten.
Steckbrief: Woran erkennt man sie?
Die Mittlere Wespe gehört zur Gattung der Langkopfwespen. Das bedeutet, ihr Gesicht ist zwischen den Augen und den Kiefern deutlich verlängert.
- Größe: Die Königinnen können bis zu 22 mm groß werden, was ihnen den Beinamen „Kleine Hornisse“ eingebracht hat. Arbeiterinnen sind mit 11–15 mm deutlich kleiner.
- Färbung: Sehr variabel. Es gibt Exemplare mit viel Rotanteil am Brustabschnitt (ähnlich der Hornisse) und sehr dunkle, fast schwarz wirkende Individuen.
- Nestbau: Ein echtes Kunstwerk! Die Nester sind meist frei hängend in Gebüschen, Hecken oder unter Dachvorsprüngen zu finden. Die Hülle ist oft hellgrau und weist charakteristische, nach unten offene Lufttaschen auf.
Lebensweise und Verhalten
Anders als die Deutsche Wespe oder die Gemeine Wespe ist die Mittlere Wespe ein reiner Freibrüter. Sie sucht nicht die dunkle Enge von Rollladenkästen oder Erdlöchern, sondern baut ihre papiernen Paläste im Licht, oft in einer Höhe von ein bis vier Metern.
Ist sie gefährlich?
Ganz klar: Nein. Die Mittlere Wespe ist ausgesprochen friedfertig. Da sie sich nicht für unseren Pflaumenkuchen oder Grillfleisch interessiert, kommt es kaum zu Konflikten am Kaffeetisch. Eine Verteidigungsreaktion erfolgt in der Regel nur, wenn man dem Nest unmittelbar (unter 1–2 Meter) zu nahe kommt oder die Flugbahn massiv stört.
Warum wir sie schützen sollten
Die Mittlere Wespe steht in einigen Bundesländern bereits auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Als Insektenjäger spielt sie eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht:
- Schädlingsbekämpfer: Sie verfüttert Fliegen und andere Insekten an ihre Larven.
- Bestäuber: Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Nektar und tragen so zur Bestäubung bei.
- Kurzer Lebenszyklus: Bereits im August löst sich der Staat meist wieder auf. Die Zeit der „Belästigung“ ist also extrem kurz.
Was tun bei einem Nest im Garten?
Solltest du ein Nest der Mittleren Wespe entdecken, bewahre Ruhe. Da die Tiere sehr friedlich sind, ist eine Umsiedlung oder gar Vernichtung in den allermeisten Fällen absolut unnötig. Oft reicht es aus, den Bereich um das Nest für einige Wochen zu meiden oder durch eine einfache Absperrung zu markieren.
Experten-Tipp: Wer ein Nest der Mittleren Wespe im Garten hat, hat eine wunderbare Gelegenheit zur Naturbeobachtung. Beobachte den Einflug aus ein paar Metern Entfernung – es ist faszinierend, mit welcher Präzision diese Baumeister agieren!
