Nützling mit schlechtem Ruf
Die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) ist neben der Deutschen Wespe die Art, die uns im Spätsommer am Kaffeetisch meist am nächsten kommt. Doch hinter dem schlechten Ruf als „Plagegeist“ steckt ein faszinierendes Lebewesen mit einer enormen ökologischen Bedeutung.
1. Steckbrief: Wer ist die Gemeine Wespe?
Die Gemeine Wespe gehört zur Familie der Sozialen Faltenwespen. Sie ist an ihrer charakteristischen schwarz-gelben Warnfärbung und der markanten Zeichnung auf der Kopfvorderseite (meist ein kleiner schwarzer Punkt oder ein ankerförmiger Strich) erkennbar.
- Größe: Königin (16–19 mm), Arbeiterinnen (11–14 mm).
- Lebensweise: Staatenbildend, einjähriger Zyklus.
- Nestbau: Bevorzugt dunkle Hohlräume (Erdlöcher, Dachböden, Rollladenkästen Die Nester bestehen aus einer papierartigen Masse, die aus zerkautem, mürbem Holz gewonnen wird (daher die hellbraune Farbe des Nestes).
2. Der Jahreszyklus eines Staates
Ein Wespenstaat beginnt im Frühjahr mit einer einzigen Jungkönigin, die im Vorjahr begattet wurde und überwintert hat.
- Nestgründung (April/Mai): Die Königin sucht einen Standort und baut die ersten Zellen.
- Wachstum (Juni/Juli): Die ersten Arbeiterinnen schlüpfen und übernehmen den Nestbau sowie die Larvenfütterung.
- Höhepunkt (August/September): Das Volk erreicht seine maximale Größe (bis zu 7.000 Tiere). Nun werden Geschlechtstiere (Drohnen und Jungköniginnen) produziert.
- Absterben (Oktober/November): Mit dem ersten Frost stirbt das alte Volk samt Altkönigin. Nur die neuen Jungköniginnen suchen sich ein Winterquartier.
3. Ökologische Bedeutung: Warum wir sie brauchen
Wespen sind weit mehr als nur Fleischfresser. Sie erfüllen zwei wichtige Funktionen in unserem Ökosystem:
- Die Gesundheitspolizei: Ein großes Wespenvolk vertilgt pro Tag bis zu 500 Gramm Insekten, darunter Fliegen, Mücken und Forstschädlinge. Sie sind essenziell für das Gleichgewicht in der Natur.
- Bestäubung: Auch wenn sie nicht so effizient wie Bienen sind, besuchen Wespen Blüten und tragen zur Bestäubung von Pflanzen bei.
4. Warum werden sie “lästig”?
Das aggressive Image rührt daher, dass die Gemeine Wespe (zusammen mit der Deutschen Wespe) eine Vorliebe für menschliche Nahrung hat. Im Spätsommer ändert sich der Bedarf des Staates: Die Larven werden weniger, weshalb die Arbeiterinnen keine zuckerhaltigen Säfte mehr von ihnen als Belohnung erhalten. Sie suchen nun verstärkt im Freien nach Energie (Zucker) und Eiweiß.
5. Tipps für den Umgang
- Ruhe bewahren: Hektische Bewegungen werden als Bedrohung wahrgenommen.
- Abdecken: Speisen und Getränke im Freien abdecken.
- Nicht anpusten: Das im Atem enthaltene CO₂ gilt im Wespenstaat als Alarmsignal.
- Umsiedlung vor Vernichtung: Bei Nestern an kritischen Stellen sollte immer zuerst ein Experte für eine fachgerechte Umsiedlung konsultiert werden.
