Das Vereinsleben des Herforder Bienenzüchtervereins war über die Jahrzehnte hinweg nicht nur auf die fachliche Weiterbildung ausgerichtet, sondern lebte in hohem Maße von der gemeinsamen Geselligkeit. Der gesellschaftliche Austausch und die Einbindung der Familien zählten zu den wichtigsten Säulen der Vereinsstruktur.
Standbesichtigungen und “Imkerlatein” Ein zentrales Element der Geselligkeit waren die lokalen Ausflüge zu den Bienenständen einzelner Vereinsmitglieder. Diese Treffen verbanden praktische Lehrbegehungen mit gemütlichem Beisammensein. Oftmals übernahm die Familie des gastgebenden Imkers die Bewirtung. Ein anschauliches Beispiel dafür ist eine Wanderversammlung nach Schwarzmoor im Juli 1938: Die fachliche Besichtigung der Bienenstände musste eigens unterbrochen werden, da die „Damen des Hauses“ an festlich gedeckten Tischen zum Kaffee luden, wobei die Imker ihr „vorzügliches Imkerlatein“ pflegten. Auch in späteren Jahren war es üblich, dass Imkerkollegen zu bestimmten Anlässen Kaffee und Kuchen für die versammelten Teilnehmer spendierten.
Vereinsausflüge und “Kaffeefahrten” Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg wurden regelmäßig Ausflüge und Busfahrten organisiert, zu denen die Mitglieder ausdrücklich samt ihren Ehefrauen und Kindern eingeladen waren. Ziele solcher Fahrten waren unter anderem die Gartenbauausstellung in Hannover 1951 oder Ausflüge in die Lüneburger Heide. Bei diesen überregionalen Touren wurden feste Pausen in ausgewählten Gasthäusern wie dem „Krughof“ in Nienburg oder der „Grünen Tanne“ für ein gemeinsames Mittagessen oder Kaffeetrinken eingeplant. Diese Ausflüge waren für das Vereinsleben so prägend, dass sie in den Aufzeichnungen des Vereins teils explizit als „Kaffeefahrten“ deklariert wurden.
Feste, Feiern und Filmabende Der Verein zelebrierte die Gemeinschaft zudem durch Sommerfeste, gesellige Adventskaffees und Jubiläumsveranstaltungen. Wenn befreundete Vereine feierten – wie etwa der Kanarienzucht-Verein bei seinem 75-jährigen Bestehen im Jahr 1982 –, nahm man ebenfalls mit den Ehefrauen an den Festlichkeiten teil. Eigene Jubiläen wurden teilweise groß begangen, beispielsweise mit einem Festessen im Vereinslokal oder mit öffentlichen Filmabenden, zu denen sich bis zu 200 Gäste einfanden. Zudem gab es gelegentlich Veranstaltungen für die ganze Familie, wie einen Vortrag über Honigverwendung inklusive Probeverkostung im Jahr 1975.
Die Etablierung von “Klönrunden” Um den familiären Zusammenhalt und den informellen Fachaustausch weiter zu stärken, wurden später die sogenannten „Klönrunden“ eingeführt, die in der Regel am letzten Freitag oder Sonntag eines Monats stattfanden. Diese Treffen erfreuten sich großer Beliebtheit und boten Raum für lebhafte Diskussionen, das Teilen von praktischen Tipps und einen umfassenden Erfahrungsaustausch. Zur weiteren Unterhaltung wurden an diesen Abenden auch häufig Filme aus dem Celler Bieneninstitut vorgeführt.
Verlosungen zur Belebung der Versammlungen Ein weiteres traditionelles Mittel, um die Geselligkeit und die Teilnahmebereitschaft an den Versammlungen zu fördern, waren regelmäßige Verlosungen. Vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden auf fast jeder Sitzung bienenwirtschaftliche Gegenstände – von Honiggläsern und Fachbüchern bis hin zu Beuten oder lebenden Bienenvölkern – unter den anwesenden Mitgliedern verlost. Dies trug maßgeblich zur Attraktivität der Treffen bei.
