Historische Dokumentation der Bienenkrankheiten und Schädlingsbekämpfung im Wandel der Jahrzehnte. Quelle: Eigenes Archiv, Autor: KI-generiert (Beispiel), Lizenz: CC BY-SA 4.0
Neben der alles dominierenden Varroamilbe ab den 1980er Jahren dokumentieren die Aufzeichnungen eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit verschiedenen weiteren Bienenkrankheiten und Schädlingen, die teils strenge seuchenrechtliche Maßnahmen erforderten. Aus den Protokollen lassen sich folgende Schwerpunkte in der Seuchenbekämpfung und fachlichen Aufklärung ablesen:
1. Faulbrut (Amerikanische Faulbrut) Die Faulbrut war über die Jahrzehnte hinweg die am strengsten reglementierte Bienenkrankheit. Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg und vermehrt in den 1980er Jahren wurden die Imker in Fachvorträgen intensiv über die äußeren Merkmale der Faulbrut und die Unterscheidung zu drohnenbrütigen Völkern geschult.
- Sperrgebiete und behördliche Eingriffe: Im Herbst 1981 wurde durch den Kreistierarzt an drei Bienenständen in Löhne amtlich die „bösartige Faulbrut“ festgestellt. Daraufhin wurden zwei strenge Sperrgebiete errichtet. Diese Maßnahme hatte zur Folge, dass alle Imker im Kreis Herford, die für die Bienenwanderung ein Gesundheitszeugnis benötigten, ihre Völker zwingend auf Faulbrut untersuchen lassen mussten.
- Auch viele Jahre später, im Jahr 1998, berichtete der Verein erneut von amtstierärztlich festgestellten und bearbeiteten Fällen der Amerikanischen Faulbrut. Während auf andere Tests teils verzichtet wurde, blieb die Untersuchung auf Faulbrut stets zwingend bestehen.
2. Nosema Die Nosematose (eine Pilzinfektion des Darms) taucht in den Aufzeichnungen der 1960er Jahre als ernsthaftes Problem auf. Im Jahr 1966 und besonders im Frühjahr 1967 klagte der Verein über eine „heftig aufgetretene Nosema“, die für einen Rückgang der Völkerzahlen verantwortlich gemacht wurde. Zur Bekämpfung verteilte der Verein eigens beschaffte Heilmittel an seine Mitglieder, um direkte Abhilfe am Bienenstand zu schaffen.
3. Tracheenmilbe (Innenmilbe) Neben der Varroa (Außenmilbe) mussten sich die Imker auch mit der Tracheenmilbe (Innenmilbe) befassen. Zu Beginn der 1980er Jahre wurden Proben zur Untersuchung auf diese Milbe zentral nach Detmold oder Münster geschickt. Etwa um 1984/1985 gab es hier jedoch eine Entlastung für die Imkerschaft: Das Kreisveterinäramt verzichtete fortan auf die routinemäßige Untersuchung der Tracheenmilbe, fokussierte sich stattdessen aber weiterhin streng auf Faulbrut und Varroa.
4. Natürliche Bienenfeinde und Schädlinge Neben echten Krankheitserregern umfasste die fachliche Arbeit auch die Abwehr von Schädlingen. Schon im Jahr 1891 referierten die Mitglieder über die Bekämpfung von Bienenfeinden wie Hornissen, dem Bienenwolf, Wespen, Spinnen, Ameisen und Wachsmotten. Fast hundert Jahre später, im Jahr 1982, war dies noch immer ein praxisnahes Thema: Auf den Versammlungen wurde diskutiert, wie man räuberische Wespen abwehren könne – beispielsweise durch den Einsatz von „sauer-süßen Saftflaschen“ im Mai, um die Wespenköniginnen rechtzeitig wegzufangen.
5. Indirekte Folgen durch allgemeine Tierseuchen Interessanterweise zeigt die Chronik auch, dass tierische Seuchen, die die Bienen gar nicht selbst betrafen, die fachliche Arbeit der Imker massiv behindern konnten. Als der Verein im Juli 1938 eine Wanderversammlung mit Standbegehungen im Ort Schwarzenmoor durchführte, mussten geplante Besichtigungen auf benachbarten Höfen abrupt abgesagt werden. Der Grund: Auf dem Hof eines Gastgebers war die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, was aus Seuchenschutzgründen das Betreten der weiteren Stände unmöglich machte.
