
Telemetrie-Test
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich rasant aus und versetzt Imker in Sorge. Doch die Abwehr wird digitaler: Eine Expertengruppe des Landesverbandes testete in Wuppertal das neueste Telemetrie-System. Können Minisender und Drohnen die Rettung für unsere Honigbienen sein?
Die Suche nach den oft unsichtbaren Nestern der Vespa velutina (VV) gleicht oft der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Um die Effizienz in Westfalen-Lippe massiv zu steigern, suchte eine Delegation unseres Landesverbandes am 12. September 2025 die Profis auf: Bei Anja und Thomas Stamm in Wuppertal drehte sich alles um die Frage: Wie schlägt sich das „Robor Velutina Besenderungs-Kit“ im harten Praxiseinsatz?
Telemetrie: Wenn die Hornisse zum „V-Mann“ wird
Das Prinzip hinter dem System von Robor Nature klingt nach Agentenkrimi: Eine gefangene Hornisse wird unfreiwillig zur Informantin.
- Die Besenderung: Mit chirurgischer Präzision wird der Hornisse ein winziger Sender am Thorax befestigt.
- Der Freilass: Das Tier kehrt in der Regel direkt zu seinem Volk zurück.
- Die Verfolgung: Per Antenne und Empfänger nehmen die Experten die Fährte auf – das Signal führt sie bis zum Nest, das meist versteckt in schwindelerregenden Höhen der Baumwipfel hängt.
„Das Anbringen der Sender erfordert eine extrem ruhige Hand und handwerkliches Geschick“, so der Tenor der Teilnehmer während der Übungseinheiten.
Die Technik im Detail: Milligramm-Arbeit und App-Steuerung
Dass die Telemetrie funktioniert, ist das eine – doch der Teufel steckt im Detail. Damit die Hornisse nicht zur „Bodenlandung“ gezwungen wird, spielt das Gewicht eine entscheidende Rolle.
1. Das Fliegengewicht: Der Sender
Die im Workshop verwendeten Sender sind technische Meisterleistungen. Sie wiegen oft weniger als 150 mg. Zum Vergleich: Eine Arbeiterin der Vespa velutina wiegt zwischen 200 und 400 mg.
- Die Faustregel: Das Sendergewicht sollte maximal 50 % des Körpergewichts betragen, damit das Tier noch zielsicher zum Nest zurückkehren kann.
- Befestigung: Ein spezieller Kleber und ein feiner Faden sorgen dafür, dass der Sender sicher am Thorax sitzt, ohne die Flügelbewegung einzuschränken.
2. Digitales Monitoring: Die Vespa-Finder-App
Die Zeiten, in denen man nur nach Gehör über die Wiese lief, sind vorbei. Das Robor-System arbeitet Hand in Hand mit der Vespa-Finder-App.
- Visualisierung: Die App zeigt die Signalstärke visuell auf dem Smartphone an. Das hilft besonders Anfängern, die Richtung des Nestes präziser zu bestimmen.
- GPS-Mapping: Fundorte und Peilungsvektoren können direkt in einer Karte markiert werden. So entsteht ein digitales Bewegungsprofil, das den Suchradius systematisch eingrenzt.
- Frequenzmanagement: Jeder Sender hat eine individuelle Frequenz. So können mehrere Teams gleichzeitig verschiedene Hornissen verfolgen, ohne dass sich die Signale überlagern.
„Die Kombination aus dem akustischen Signal des Empfängers und der visuellen Bestätigung in der App macht die Suche deutlich intuitiver“, erklärten Anja und Thomas Stamm während der Vorführung. Praxistest im Gelände: Zwischen Signalstärke und Unterholz.
In Wuppertal wurde nicht nur Theorie gepaukt. Die Teilnehmer – darunter Uwe König, Barbara Klein, Rainer Rockstroh, Claas Lichtenberg, Norbert Gerd und Sven Peterseim – testeten das System unter realen Bedingungen. Besonders im Fokus stand die Peilung im Gelände: Wie verhält sich das Signal in unterschiedlichem Terrain? Wie gut lässt sich die Richtcharakteristik der Antennen nutzen?
Ein weiterer spannender Aspekt war die Drohnenunterstützung. Sobald die Telemetrie den Suchradius eingegrenzt hat, schlägt die Stunde der Flugroboter. Sie können Nester in unzugänglichen Waldgebieten oder massiven Baumkronen visuell bestätigen, bevor der Hubsteiger anrücken muss.
Das Fazit: Lohnt sich die Investition für Vereine?
Licht und Schatten liegen nah beieinander. Die Expertengruppe analysierte die Vor- und Nachteile des Kits schonungslos ehrlich:
| Vorteile | Herausforderungen |
| Hohe Präzision: Punktgenaue Ortung auch in dichtem Laub. | Anschaffungskosten: Eine signifikante Investition für Vereine. |
| Enormer Zeitgewinn: Viel schneller als die klassische Sichtpeilung. | Hoher Übungsbedarf: Man muss lernen, die Signale richtig zu „hören“. |
| Effizienz: Weniger Personalaufwand für eine erfolgreiche Suche. | Sender-Gewicht: Die Belastung für das Tier muss minimal bleiben. |
Vernetzung als Schlüssel zum Erfolg
Der Workshop hat eines deutlich gemacht: Technik allein gewinnt den Kampf gegen die Invasoren nicht. Es ist der Wissenstransfer, der den Unterschied macht. Die Erkenntnisse aus Wuppertal fließen nun direkt in die Beratungsarbeit des Landesverbandes ein. Sie dienen als Entscheidungshilfe für Kreisimkervereine, die über die Anschaffung technischer Ausstattung nachdenken.
Ein herzlicher Dank gilt Anja und Thomas Stamm für ihre Gastfreundschaft und die professionelle Einweisung in diese zukunftsweisende Technik.
Ihre Meinung ist gefragt!
Hat Ihr Verein bereits Erfahrungen mit der Besenderung oder Drohnensuche gemacht? Planen Sie eine Anschaffung oder setzen Sie weiterhin auf die klassische Sicht-Peilung? Schreiben Sie uns in den Kommentaren oder kontaktieren Sie unseren Landesverband für einen Erfahrungsaustausch!












