
Ein verwunschenes Gleisbett, absolute Stille und das sanfte Summen von hunderten Königinnen: Am 6. Juli 2026 verwandelte sich die Belegstelle Widukindstein in Vlotho in einen Treffpunkt für alle, die das Herz der Imkerei – die Carnica-Zucht – hautnah erleben wollten. Wir nehmen Sie mit an einen Ort, an dem Tradition auf moderne Selektion trifft.
Wo die Zeit stillzustehen scheint
Wer die Belegstelle Widukindstein im Kreis Herford besucht, merkt sofort: Dieser Ort ist besonders. Gelegen auf einem alten, stillgelegten Gleisbett, gesäumt von mächtigen, schattenspendenden Bäumen, bietet das Gelände eine fast magische Kulisse. Doch die Abgeschiedenheit dient nicht nur der Romantik. Für die gezielte Anpaarung der Carnica-Königinnen ist absolute Isolation entscheidend, um Fremdanpaarungen zu vermeiden. Ein alter Bauwagen, der als Materiallager dient, rundet das urige Bild ab und erinnert an die Beständigkeit der Imkerei.
Fachwissen vom „Super-Typ“: Thomas Nope im Element
Belegstellenleiter Thomas Nope empfing die Gäste mit der ihm eigenen Mischung aus Expertise und Begeisterung. Von den Besuchern oft als echter Fachmann und „Super-Typ“ geschätzt, gelang es ihm, die komplexen Abläufe der Zuchtarbeit greifbar zu machen.
Im Fokus stand dabei die Erhaltung und Verbesserung der Carnica-Linien. Thomas Nope erläuterte fachmännisch, worauf es bei der Selektion dieser Rasse wirklich ankommt:
- Sanftmut & Wabensitz: Wie wir Völker selektieren, bei denen die Bearbeitung ohne Schleier zur Freude wird.
- Schwarmträgheit: Die Kunst, den natürlichen Vermehrungstrieb durch gezielte Zuchtauswahl in produktive Bahnen zu lenken.
- Vitalität & Frühjahrsentwicklung: Warum die Carnica gerade für unsere Region die ideale Biene ist, um die erste Tracht optimal zu nutzen.
- Sicherung der Reinheit: Welche Rolle die Drohnenvölker auf der Belegstelle spielen, um die genetische Qualität unserer regionalen Carnica-Stämme zu festigen.
„Zuchtarbeit ist das Fundament für vitale Völker. Auf Widukindstein konzentrieren wir uns darauf, die typische Gelassenheit der Carnica mit hoher Leistungsfähigkeit zu paaren“, betonte Nope während der Führung.
💡 Profi-Tipps: So gelingt der Besuch auf der Belegstelle
Damit die Begattung Ihrer Carnica-Königinnen auf Widukindstein ein voller Erfolg wird, sollten Sie folgende Punkte beachten:
- Drohnenfreiheit garantiert: Stellen Sie sicher, dass Ihre Begattungseinheiten (z. B. Kirchhainer oder EWKs) absolut drohnenfrei sind. Nur so bleibt die Linie rein.
- Der richtige Proviant: Die kleinen Einheiten brauchen ausreichend Futterteig für die Aufenthaltsdauer – kalkulieren Sie lieber großzügig.
- Anlieferung & Abholung: Achten Sie auf die offiziellen Öffnungszeiten der Belegstelle und kennzeichnen Sie Ihre Einheiten deutlich mit Namen und Telefonnummer.
- Gesundheitszeugnis: Ohne aktuelles Seuchenfreiheitszeugnis bleibt das Tor zu – zum Schutz aller Völker!
Hand anlegen: Praxis, die Mut macht
Nach der Theorie wurde es praktisch. Thomas Nope demonstrierte am Bienenstock das Umlarven – die Königsdisziplin, um den Grundstein für die nächste Generation leistungsstarker Carnica-Völker zu legen. Hier war Fingerspitzengefühl gefragt: Die nur wenige Millimeter großen Larven mussten vorsichtig in die Weiselbecher umgebettet werden.
Besonders erfreulich: Wer sich traute, durfte unter Anleitung selbst zum Umlarvlöffel greifen. Diese Praxiserfahrung half dabei, Berührungsängste abzubauen und weckte bei vielen Teilnehmern – darunter engagierte Jungimkerinnen wie Karla Wuttke – das Interesse, im eigenen Verein aktiv in die Carnica-Zucht einzusteigen.
Gemeinschaft unter Bäumen
Was wäre ein Imkertreffen ohne den fachlichen Austausch? Bei strahlendem Sommerwetter bot das alte Gleisbett den perfekten Rahmen für den geselligen Teil des Tages:
- Die Kaffeetafel: Ein buntes Buffet aus selbstgebackenen Kuchen der Mitglieder sorgte für einen süßen Start.
- Grillen am Gleis: Der Tag klang bei Bratwurst, frischen Salaten und Kaltgetränken aus.
Zwischen den alten Schienen entstanden tiefe Fachgespräche über Honigerträge, Varroa-Toleranz und die besten Tipps für die Einwinterung. Es wurde deutlich: Die Zuchtarbeit im Imkerverein Valdorf ist nicht nur ein technisches Handwerk, sondern ein lebendiger Teil der Vereinskultur, der Generationen verbindet.
Fazit & Ausblick
Der Tag der offenen Tür an der Belegstelle Widukindstein hat gezeigt, dass die Leidenschaft für die Biene Menschen zusammenbringt. Ob Profi-Züchter oder interessierter Laie – das Verständnis für die Herkunft unserer Carnica-Königinnen ist die Basis für eine erfolgreiche und entspannte Imkerei.
Züchten Sie bereits selbst nach oder nutzen Sie das Angebot regionaler Belegstellen? Welche Merkmale sind Ihnen bei Ihrer Carnica am wichtigsten? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen in die Kommentare oder besuchen Sie uns beim nächsten Vereinstreffen!























