
Eine Asiatische Hornisse arbeitet an einem Wabenabschnitt ihres Nestes, das von der Rinde eines Eichenastes herabhängt. Quelle: Banana Autor: Rainer Rockstroh Lizenz: Alle Rechte vorbehalten
Sie ist der Albtraum vieler Imkereien: Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich unaufhaltsam aus. Doch im Frühjahr haben wir ein kurzes Zeitfenster, um die Expansion zu bremsen. Der Schlüssel liegt im Entdecken der sogenannten Primärnester. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie jetzt in Ihrem Garten und am Bienenstand achten müssen.
Die Königinnen sind erwacht. Während unsere Honigbienen die ersten Trachten anfliegen, beginnt für die Gründermütter der Asiatischen Hornisse das diskrete Geschäft des Nestbaus. Für uns Imker ist jetzt höchste Wachsamkeit geboten, denn jedes im Frühjahr entdeckte und fachgerecht entfernte Primärnest bedeutet ein Volk weniger, das im Spätsommer unsere Fluglöcher belagert.
Der Steckbrief: Wer fliegt da eigentlich?
Bevor wir über Nester sprechen, müssen wir den Feind kennen. Oft wird die Vespa velutina mit unserer heimischen, geschützten Hornisse verwechselt. Achten Sie auf diese drei Details, die den Unterschied machen:
- Die „gelben Socken“: Das markanteste Merkmal. Während die Beine der heimischen Hornisse durchgehend rotbraun sind, haben die der Asiatischen Hornisse leuchtend gelbe Spitzen.
- Der dunkle Thorax: Ihr Bruststück ist fast schwarz, im Gegensatz zum eher rötlich-braunen Ton der europäischen Verwandten.
- Die orangefarbene Binde: Der Hinterleib ist größtenteils dunkel, weist aber am Ende (viertes Segment) eine breite, orange-gelbe Binde auf.

Das Primärnest: Die unterschätzte Gefahr im Schuppen
Bevor die Kolonie im Sommer in die schwindelerregenden Höhen von Baumkronen umzieht, baut die Königin ein kleines „Embryonalnest“. Dieses ist oft dort zu finden, wo wir es am wenigsten erwarten: auf Augenhöhe.
Form und Beschaffenheit
Ein Primärnest ist anfangs kaum größer als ein Tennisball oder eine Grapefruit. Die Hülle ist hellbraun, wirkt strohartig und besteht aus einer weichen Papiermasse. Typisch ist das etwa 1,5 cm große Einflugloch, das sich bei diesen frühen Nestern meist direkt an der Unterseite befindet.
Die beliebtesten Verstecke (Checkliste für die Gartenbegehung)
Die Königin sucht frostfreie, geschützte Orte. Kontrollieren Sie bei Ihrem nächsten Rundgang gezielt diese Stellen:
- Gebäude: Dachvorsprünge von Gartenhütten, Carports, Dachböden und Schuppen.
- Gartenmöbel: Unter Grillhauben, in zusammengeklappten Sonnenschirmen oder in Polsterboxen.
- Natur & Deko: In dichten Hecken, ungenutzten Nistkästen, Kaminholzstapeln oder sogar im Kompost.
Achtung: Beobachten ja, Handeln nein!
So groß der Impuls auch sein mag, das Nest sofort zu vernichten: Stopp!
Obwohl die Asiatische Hornisse auf der Blüte eher scheu reagiert, verteidigt sie ihr Nest im Radius von 3 bis 5 Metern äußerst aggressiv. Ein falscher Handgriff kann gefährliche Schwarmangriffe auslösen. Zudem ist die korrekte Dokumentation für das Monitoring der Ausbreitung essenziell.
Das richtige Vorgehen bei einer Sichtung:
- Abstand halten: Nähern Sie sich dem Nest nicht unnötig.
- Foto machen: Wenn möglich, fotografieren Sie das Tier oder das Nest aus sicherer Entfernung.
- Offiziell melden: Nutzen Sie für Funde in Nordrhein-Westfalen bitte direkt das:👉 Neobiota-Portal NRW des LANUV
- Profis ranlassen: Die Entfernung darf nur durch zertifizierte Spezialisten erfolgen.
Zusatz-Info für Meldung:
In NRW ist die Meldung über dieses Portal besonders wichtig, da das LANUV die Ausbreitung wissenschaftlich überwacht und nur so die Bekämpfungsmaßnahmen koordiniert werden können.
Fazit
Wachsame Imkeraugen sind derzeit der beste Schutz für unsere heimische Insektenwelt. Gehen Sie mit offenen Augen durch Ihren Garten und den Bienenstand. Je früher ein Nest entdeckt wird, desto effektiver können wir den Druck auf unsere Völker im Herbst minimieren.
Haben Sie in diesem Jahr schon verdächtige Beobachtungen gemacht oder nutzen Sie bereits spezielle Monitoring-Fallen? Schreiben Sie uns in den Kommentaren und teilen Sie diesen Beitrag, um andere Gartenbesitzer zu sensibilisieren!




