Detaillierte Rekonstruktion einer historischen Imker-Vereinstatung mit verschiedenen Arbeitsstationen für Statistik, Finanzen und Honigverarbeitung. Quelle: Danana Autor: RR Lizenz: frei
In den Protokollbüchern des Herforder Bienenzucht-Vereins sind zahlreiche Aktionen und Statistiken akribisch festgehalten. Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Vereins-Aktionen und die damit verbundenen Zahlen:
📊 Völkerstatistiken (Bestandsaufnahmen)
Die Entwicklung der Bienenvölker im Vereinsbezirk ist einer der am häufigsten dokumentierten Werte.
| Jahr | Aktion / Zeitpunkt | Anzahl der Völker |
|---|---|---|
| 1888 | Herbst-Bestandsaufnahme | 177 Völker |
| 1889 | Frühjahrs-Bestandsaufnahme | 143 Völker |
| 1890 | April-Statistik | 162 Völker |
| 1894 | Einwinterung (Herbst) | 366 Völker |
| 1895 | Einwinterung (Herbst) | 420 Völker |
| 1897 | Jahresstatistik | 345 Völker |
| 1902 | November-Statistik | 1.450 Völker |
| 1910 | Höchststand vor dem Krieg | ca. 1.600 Völker |
| 2001 | Herbst-Statistik | 495 Völker |
| 2003 | Herbst-Statistik | ca. 490 Völker |
🍯 Ernte-Aktionen (Honig und Wachs)
Besonders in den frühen Jahren wurden die Gesamterträge des Vereins genau beziffert:
- 1889: Der Verein erzielte insgesamt 3.400 Pfund Honig und 200 Pfund Wachs.
- 1891: Die Ernte belief sich auf 3.200 Pfund Honig und 50 Pfund Wachs.
- 1894: In diesem Jahr wurden 4.345 Pfund Honig und 360 Pfund Wachs geerntet.
- 1897: Ein Rekordjahr mit 8.107 Pfund Honig und 458 Pfund Wachs.
📦 Logistik und Beschaffung
Der Verein organisierte gemeinschaftliche Einkäufe und Verteilungen, um die Kosten für die Imker zu senken.
- Honiggläser (1903): Für die Vermarktung wurden insgesamt 4.428 Gläser bestellt.
- Verlosungen (1889): Zur Förderung der Gemeinschaft wurden 27 verschiedene bienenwirtschaftliche Gegenstände unter den Mitgliedern verlost.
- Bibliothek (1889): Für die Anschaffung von Fachliteratur wurden ca. 12 bis 14 Mark aus den erhöhten Beiträgen bereitgestellt.
- Heide-Wanderung (1901): Die Reise- und Zehrungskosten für die Begleiter der Bienen in die Heide beliefen sich auf 37,50 Mark.
Honig- und Wachspreise (Die “Goldene Ära”)
Bevor die Weltkriege die Wirtschaft erschütterten, gab es im Verein sehr klare Preisabsprachen, um den Wert des Produkts zu schützen.
- 1889: In der Versammlung wurde beschlossen, den Honig nicht unter 1,00 Mark pro Pfund zu verkaufen.
- 1891: Der Preis für Honig blieb stabil bei 1,00 Mark, während für Wachs 1,20 Mark pro Pfund erzielt wurden.
- 1894: Trotz einer “Mittelernte” hielt der Verein am Richtpreis von 1,00 Mark pro Pfund fest, um “Preisschleuderei” zu verhindern.
- 1901: Der Preis für qualitativ hochwertigen Honig lag weiterhin bei etwa 1,00 Mark.
🚂 Kosten für Logistik und Wanderung
Die Wanderimkerei war ein kostspieliges und logistisch aufwendiges Unterfangen, das genau abgerechnet wurde.
- Heide-Wanderung (1901): Für die Reise- und Zehrungskosten der Mitglieder, welche die Bienen in die Heide begleiteten, zahlte der Verein insgesamt 37,50 Mark.
- Gläserankauf (1903): Für die enorme Menge von 4.428 Gläsern fielen entsprechende Kosten an, die über die Vereinskasse und Vorbestellungen der Mitglieder abgewickelt wurden.
- Schleudermaschine (1892): Der Verein investierte über 15,00 Mark in eine moderne Honigschleuder, die als Hauptgewinn einer Verlosung diente.
💸 Vereinsausgaben und soziale Kosten
Der Verein fungierte auch als Solidargemeinschaft und Wissensquelle.
Bibliotheksstrafen (1891): Wer ein Buch der Vereinsbibliothek länger als 14 Tage behielt, musste eine Strafe von 0,50 Mark entrichten. 👥 Versammlungen und Beteiligung
Fachliteratur (1889): Einzelne Jahrgänge des “Bienenwirtschaftlichen Centralblattes” wurden für je 1,50 Mark an Mitglieder versteigert.
Soziale Unterstützung (1893/1897): Nach einem Brandschaden erhielt das Mitglied Brinktrine eine Entschädigung von 15,00 Mark zum Ankauf eines neuen Bienenstocks.
Ehre und Gedenken (1895): Es wurde festgesetzt, dass für verstorbene Mitglieder ein Kranz im Wert von 5,00 Mark niedergelegt wird.
Auch die Präsenz bei den Treffen wurde oft notiert, um das Vereinsleben zu dokumentieren.
- Januar 1889: An der Generalversammlung nahmen 18 Mitglieder teil.
- Januar 2000: Ein hoher Besuch von 31 Mitgliedern wurde verzeichnet.
- Januar 2001: An der Jahreshauptversammlung beteiligten sich 29 Mitglieder.
Diese traditionellen “Körbe” machten 1889 mit 106 Stück noch den Großteil der Behausungen aus, bevor der Verein verstärkt auf den modernen “Mobilbau” mit Rähmchen umstellte.
Der Übergang zu diesen Kästen ermöglichte es, die Völkerführung präziser zu kontrollieren, was die Völkerzahlen ab 1890 massiv ansteigen ließ.
