1. Die Vereinsgründung (1887) Am 11. November 1887 legten lokale Imker den Grundstein für die organisierte Bienenzucht in der Region und gründeten den „Ravensberger Imkerverein Herford“. Der erste Vorstand bestand aus dem Vorsitzenden Herrn Beckmann, dem Kassierer Herrn Kampmann und dem Schriftführer Herrn Ergenzinger.
2. Ausarbeitung und Druck der Vereinsstatuten (1887/1894) Bereits bei der Gründung wurden die ersten Vereinsstatuten entworfen und festgesetzt. 1894 wurden sie in der Versammlung leicht abgeändert und in einer Auflage von 60 Exemplaren für die Mitglieder gedruckt.
3. Aufbau einer eigenen Vereinsbibliothek (ab 1889) Um die theoretische Fachkenntnis der Mitglieder zu fördern, schaffte der Verein frühzeitig Fachliteratur an, wie etwa die „Weigand’sche Brochure“. Es wurde ein striktes Ausleihsystem etabliert, bei dem das Überziehen der Leihfrist mit Geldstrafen geahndet wurde.
4. Die traditionellen Verlosungen als Publikumsmagnet In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts förderte der Verein die Geselligkeit und Anwesenheit bei Versammlungen durch regelmäßige Verlosungen. Zu gewinnen gab es nützliche Imkergeräte, Honigschleudern oder sogar lebende Bienenvölker.
5. Begeisterung für technische Innovationen (1895) Nach Besuchen großer Messen, wie der Kölner Ausstellung, referierten Mitglieder begeistert über Neuheiten. Ein Highlight war 1895 die Vorstellung einer elektrischen Klingelvorrichtung, die Alarm schlug, sobald ein Bienenschwarm den Kasten verließ.
6. Etablierung fester Vereinslokale (ab 1904) Nach wechselnden Treffpunkten in den Anfangsjahren stabilisierte sich das Vereinsleben durch feste Vereinswirtschaften. Dem Restaurant J. Biermann (1904) folgten als langjährige Treffpunkte die Gastwirtschaft Moswinkel auf dem Stiftberg (1930er-1960er Jahre) und ab 1970 die Gaststätte Spilker.
7. Historischer Mitglieder-Boom (1922–1923) Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die Herforder Imkerei einen beispiellosen Aufschwung. Im Jahr 1923 gipfelte das Wachstum und der Verein erreichte mit 85 Mitgliedern seinen absoluten historischen Höchststand.
8. Tiefe Krise und Mitgliederschwund (ab 1927) Der rasante Boom fand ein jähes Ende, als der Wegfall von steuerfreiem „Zucker für Bienen“ und extrem günstiger Auslandshonig den heimischen Imkern massiv zusetzten. Eine Austrittswelle ließ die Mitgliederzahl bis 1927 auf nur noch 38 Personen abstürzen.
9. Wanderversammlungen und praktische Lehrbegehungen (z. B. 1938) Ein zentrales Element des Erfahrungsaustauschs waren die Treffen direkt an den Bienenständen. Ein berühmtes Beispiel ist die Wanderversammlung nach Schwarzenmoor im Juli 1938, bei der das Fachsimpeln (das „Imkerlatein“) durch eine Kaffeetafel der Gastgeberfamilie gekrönt wurde.
10. Gemeinschaftliche Zuckerbeschaffung in Krisenzeiten Vor allem während und nach den Weltkriegen übernahm der Verein die oft schwierige logistische Aufgabe der gemeinschaftlichen Beschaffung und Zuteilung von verbilligtem oder steuerfreiem Zucker zur Winterfütterung der Bienenvölker.
11. Eigene Imkerausstellung der Nachkriegszeit (1949) Im November 1949 richtete der Verein eine eigene große Schau aus. Neben klassischem Honig und Wachs gab es dort speziell für die Imkerfrauen eine Ausstellung von Backwaren, die mit Honig zubereitet worden waren.
12. Gesellige “Kaffeefahrten” mit den Familien (ab 1951) Der Verein organisierte zahlreiche Busausflüge für die Mitglieder mitsamt ihren Frauen und Kindern, wie etwa 1951 zur Gartenbauausstellung nach Hannover oder später traditionell in die Lüneburger Heide.
13. Der Kampf gegen die Nosema-Krise (1966/1967) In den 1960er Jahren machte die Nosematose (eine tückische Pilzinfektion des Darms) den Imkern schwer zu schaffen und sorgte für Völkerverluste. Der Verein reagierte mit der zentralen Beschaffung und Verteilung von Heilmitteln an seine Mitglieder.
14. Vorbereitung und Teilnahme an der Apimondia (1969) Der Verein bemühte sich aktiv um die Teilnahme an dem großen internationalen Kongress der Bienenzüchter, der Apimondia in München, und sammelte eigens Gelder bei den Mitgliedern ein, um die Reise zu unterstützen.
15. Die Etablierung der informellen “Klönrunden” Um den Zusammenhalt und die Weitergabe von praktischen Tipps zu stärken, führte der Verein regelmäßige Klönrunden ein, die traditionell am letzten Freitag oder Sonntag eines Monats stattfanden und sehr beliebt waren.
16. Lehrreiche Filmabende als Versammlungshöhepunkte (ab den 1970ern) Bei den Klönrunden und Versammlungen etablierten sich Filmvorführungen als Highlight. Filme wie “Wunderland am Bienenstand” oder Material aus dem Celler Bieneninstitut sorgten stets für rege Fachdiskussionen.
17. Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut und Sperrgebiete (1981) Im Herbst 1981 stellte der Kreistierarzt in Löhne amtlich die „bösartige Faulbrut“ fest. Dies führte zur Errichtung von strengen Sperrgebieten und zwingenden amtlichen Gesundheitsprüfungen für alle Herforder Wanderimker.
18. Das Eintreffen der Varroamilbe (1984) Nach Jahren der Prävention und der Vorbereitung durch “Gemüll-Windeln” wurde im Frühjahr 1984 gemeldet, dass die ersten zwei Varroamilben bei einem Vereinsmitglied gefunden worden waren – der Startschuss für eine neue Ära der Seuchenbekämpfung.
19. Schulungen zum Chemieeinsatz gegen die Varroa (ab 1985) Nachdem ganz NRW zum Beobachtungsgebiet erklärt wurde, schulte der Kreisseuchenwart die Mitglieder intensiv im Umgang mit Medikamenten und Säuren (wie Folbex VA Neu, der Illertisser-Ameisensäure-Platte und Perizin) sowie in biotechnischen Verfahren.
20. Frauen erobern die Vorstandsetage (ab Mitte der 1980er) Die Rolle der Frauen wandelte sich radikal: Traten sie zuvor oft nur bei geselligen Ausflügen als Ehefrauen in Erscheinung, traten sie nun als aktive Imkerinnen dem Verein bei. 1985 wurde Ortrud Alzmann Schriftführerin, ab 1993 prägte Brigitte Faßbender den Verein als Kassiererin und spätere 2. Vorsitzende.
21. Das 100-jährige Vereinsjubiläum (1987) Das hundertjährige Bestehen wurde groß gefeiert und genutzt, um die Arbeit der Imkerschaft der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ein Höhepunkt war eine repräsentative Ausstellung des Vereins in der Herforder Stadtsparkasse.
22. Auszahlung der finanziellen “Varroahilfe” (Ende der 1980er) Aufgrund der hohen Arbeits- und Materialkosten durch die Milbenbekämpfung erhielt der Verein staatliche Unterstützung in Höhe von 564 DM. Die Mitglieder stimmten dafür, die Gelder direkt an die Imker auszuzahlen, um die teuren Behandlungsmittel zu subventionieren.
23. Telefonische Mobilisierung der Mitglieder (Mitte 1990er) Um dem allmählich sinkenden Interesse an den Klönrunden entgegenzuwirken, ging der Vorstand dazu über, Mitglieder vor den Treffen persönlich anzurufen. Diese Maßnahme funktionierte anfangs gut, wurde später jedoch aus Kostengründen durch Terminlisten ersetzt.
24. Zunehmende Überalterung und Mitgliederschwund (1990er–2000er) Gegen Ende des 20. Jahrhunderts klagte der Vorstand wiederholt über das Ausbleiben von Neuzugängen und einen harten, aber schrumpfenden Kern. Bei Jahreshauptversammlungen, wie etwa 1991 oder 2004, waren teils nur noch 10 bis 14 Mitglieder anwesend.
25. Drastische Reduzierung des Vereinsangebots (ab 2001) Als direkte Konsequenz aus der Überalterung und dem stark gesunkenen Interesse beschloss der Verein ab 2001 einen schmerzhaften Kompromiss: Das monatliche Treffen wurde abgeschafft und das Angebot auf lediglich noch drei bis vier Klönrunden und eine Standbegehung pro Jahr reduziert.
