
Asiatische Hornisse Einzeltier, Rainer Rockstroh
Sie ist der Albtraum jedes Imkers: Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich unaufhaltsam aus und nimmt unsere Bienenvölker ins Visier. Doch wer den Feind schlagen will, muss seine Vorlieben kennen. Ob süßer Cocktail im Frühjahr oder deftige Protein-Kost im Sommer – mit der richtigen Strategie schützen Sie Ihre Völker effektiv. Wir zeigen Ihnen 12 bewährte Rezepte, mit denen Sie das Monitoring und Abfangen optimieren.
Die Bekämpfung der Invasoren ist weit mehr als nur Schädlingskontrolle – es ist aktiver Naturschutz für unsere heimische Biodiversität. Da die Hornissen je nach Lebenszyklus auf unterschiedliche Reize reagieren, ist das Timing entscheidend.
Das Buffet ist eröffnet: 12 Rezepte für jede Jahreszeit
Der Fokus auf Energie: Frühjahr & Herbst
In diesen Phasen suchen vor allem Königinnen und Geschlechtstiere nach schnellen Kohlenhydraten.
- 1. Der Klassiker (1:1:1): Je ein Drittel helles Bier, Weißwein und Himbeersirup. Ein bewährter Allrounder für das Frühjahr (März–Mai), um Gründermütter abzufangen.
- 2. Die französische Standard-Mischung: 50 % dunkles Bier und 50 % schwarzer Johannisbeersirup. Besonders im Spätsommer eine echte Geheimwaffe.
- 3. Pheromon-Power (z.B. VespaCatch): Kommerzielle Extrakte, die auf biologische Reize setzen. Extrem selektiv und hocheffektiv im Frühjahr und Herbst.
- 4. Grenadine-Spezial: 1/2 helles Bier, 1/4 Weißwein, 1/4 Grenadine. Die intensive rote Farbe lockt die Hornissen visuell an.
- 5. Malzbier-Mix: 1 Teil Malzbier, 1 Teil Weißwein. Die Malzaromen sind ein Magnet für Königinnen nach dem Winterschlaf.
- 6. Die „Süße Falle“: Invertzuckersirup mit Kirschsaft. Ideal im Spätherbst, wenn Drohnen und Jungköniginnen letzte Energie für den Winter sammeln.
Der Fokus auf Brut: Hochsommer (Juni–August)
Wenn das Nest wächst, steigt der Hunger der Larven auf Eiweiß. Jetzt schlägt die Stunde der Proteine.
- 7. Protein-Zucker-Kombi: Zuckerwasser (1:1) mit einem Schuss Fischsauce oder Thunfischsaft. Zieht Arbeiterinnen magisch an, die Futter für die Brut suchen.
- 8. Der Fisch-Köder: Pürierter Lachs oder Sardine. Das Nonplusultra für die Lokalisierung von Nestern (Telemetrie), da die Arbeiterinnen gezielt Protein sammeln.
- 9. Wachsmotten-Extrakt: Zuckerlösung mit dem Geruch alter Bienenwaben. Dieser „Imker-Geheimtipp“ imitiert ein schwaches Volk und lockt Räuber gezielt an.
Alternative & Spezialmischungen
- 10. Wein-Essig-Mischung: 40 % Weißwein, 40 % Apfelsaft, 20 % Essig. Der Essig dient als Schutzschild für Ihre Bienen.
- 11. Hefe-Gär-Mischung: Leicht vergorener Zucker mit Backhefe. Imitiert reifes Fallobst im Spätsommer.
- 12. Alkoholfreie Fruchtmischung: Apfelsaft, Johannisbeersirup und Essigessenz. Gut für heiße Regionen, in denen Alkohol zu schnell verfliegt.
Profi-Tipps für den Praxiseinsatz
Damit Ihr Einsatz am Bienenstand von Erfolg gekrönt ist, sollten Sie drei goldene Regeln beachten:
1. Selektivität ist Pflicht
Wir wollen die Asiatische Hornisse stoppen, nicht unsere Honigbienen oder die geschützte heimische Hornisse (Vespa crabro) gefährden.
Wichtig: Weißwein oder Essig im Lockstoff schrecken Honigbienen zuverlässig ab. Achten Sie bei Fallen zudem auf Ausstiegslöcher für kleinere Insekten.
2. Wartung und Pflege
Lockstoffe auf Zuckerbasis sind lebendige Systeme. Bei Hitze gären sie schnell oder trocknen ein. Tauschen Sie die Mischungen alle 7 bis 10 Tage aus, um die volle Lockwirkung zu erhalten.
3. Der rechtliche Rahmen
In Deutschland ist das Aufstellen von Fallen für invasive Arten oft meldepflichtig. Bevor Sie loslegen, informieren Sie sich bei Ihrer zuständigen Naturschutzbehörde oder Ihrem Imkerverein über die geltenden Vorgaben zum Schutz von Beifang.
Fazit: Gemeinsam gegen die Invasion
Es gibt nicht das eine perfekte Rezept, aber es gibt für jede Situation die richtige Antwort. Durch gezieltes Monitoring und die Anpassung der Lockstoffe an die Jahreszeit können wir den Druck auf unsere Bienenvölker massiv senken.
Jetzt sind Sie gefragt: Welche Mischung funktioniert an Ihrem Bienenstand am besten? Haben Sie ein eigenes „Geheimrezept“ entwickelt? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren und helfen Sie anderen Imkern beim Schutz ihrer Völker!





